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202623.10.

Freigabezeichnung (Shonin-zu): Zeichnungsfreigabe in Japan

Arbeiten mit JapanAktualisiert am 23.10.202618 Min. Lesezeit

Ein japanischer Lieferant schickt Ihnen einen Satz Zeichnungen mit dem Vermerk 承認願 (shonin-negai, „Bitte um Freigabe“), und die Fertigung beginnt erst, wenn Sie die Unterlagen zurücksenden. Es handelt sich um Freigabezeichnungen, japanisch shonin-zu (承認図). Der Lieferant teilt Ihnen damit mit: „Nach diesen Spezifikationen und Maßen werden wir bauen.“

Dieser Leitfaden richtet sich an Ingenieure und Einkäufer auf beiden Seiten: wenn Sie Zeichnungen eines japanischen Anlagen- oder Apparateherstellers prüfen oder selbst Zeichnungen bei einem japanischen Kunden zur Freigabe einreichen. Er erklärt, was eine Freigabezeichnung enthält, wie sie sich von anderen japanischen Zeichnungsarten unterscheidet, was die drei Rückgabecodes bedeuten und wie sich eine verspätete Rückgabe auf den Terminplan auswirkt. Am Ende finden Sie eine Checkliste für die Prüfung und Fragen, die Sie dem japanischen Partner stellen können.

Begriffe und Abläufe sind im japanischen Anlagenbau und bei kundenspezifischen Apparaten verbreitet, unterscheiden sich aber nach Unternehmen, Branche und Projekt. Verstehen Sie den Text als Orientierung für die richtigen Fragen, nicht als Beschreibung der Regeln, die Ihr Partner tatsächlich anwendet.

Inhalt
  1. Was ist eine Freigabezeichnung (Shonin-zu)?
  2. Freigabezeichnung und andere japanische Zeichnungsarten
  3. So läuft Prüfung und Rückgabe ab
  4. Die drei Rückgabecodes: freigegeben, mit Anmerkungen, Neuvorlage
  5. Verspätete Rückgabe und wie man die Frist festlegt
  6. Checkliste vor der Rückgabe einer Freigabezeichnung
  7. Wer trägt nach der Freigabe die Verantwortung?
  8. Shonin-zu in der japanischen Automobilindustrie
  9. Vorlage für eine Freigabeliste
  10. Wo die Praxis abweicht
  11. Fragen an Ihren japanischen Partner
  12. FAQ
  13. Quellen

Was ist eine Freigabezeichnung (Shonin-zu)?

Eine Freigabezeichnung reicht der Lieferant, meist der Hersteller des Apparats, beim Besteller ein, damit dieser Spezifikationen, Maße und Schnittstellen vor Fertigungsbeginn bestätigt. Im Japanischen heißt sie auch shonin-negai-zu (承認願図, zur Freigabe eingereichte Zeichnung) oder shonin-yo-zu (承認用図, Zeichnung zur Freigabe). Kiki shonin-zu (機器承認図, Freigabezeichnung eines Apparats) meint dasselbe.

Der Hersteller erstellt sie für jede Komponente einzeln, etwa für Pumpen, Behälter oder Wärmetauscher. Manche Unternehmen unterscheiden zwei Stufen: Die eingereichte Zeichnung ist die shonin-negai-zu, die freigegebene die shonin-zu. Viele sagen aber zu beidem einfach „shonin-zu“.

Typischerweise zeigt eine Freigabezeichnung die Hauptabmessungen, die Schnittstellen zu Rohrleitungen und Kabeln (Lage, Größe und Norm jedes Anschlusses), die Werkstoffe und die wichtigsten technischen Daten. Die folgende Übersicht fasst die üblichen Inhalte zusammen.

Abbildung 1: Typische Inhalte einer Freigabezeichnung

Jeder Punkt ist etwas, das der Besteller vor Fertigungsbeginn bestätigen möchte.

HauptabmessungenLänge, Breite, Höhe und Gewicht; passt der Apparat an den Aufstellort und lässt er sich einbringen?
SchnittstellenLage, Größe und Norm jedes Rohr- und Kabelanschlusses, etwa Nennweiten bei Rohrleitungen; Ausrichtung der Stutzen
WerkstoffeWerkstoffe von Grundkörper und medienberührten Teilen; stimmen sie mit der Einkaufsspezifikation überein?
Technische DatenAuslegungsdaten wie Volumen bzw. Leistung, Druck und Temperatur sowie die Typbezeichnung
Zubehör und MessgeräteEinbaulage und Ausrichtung von Messgeräten, Armaturen und Inspektionsöffnungen
Aufstellung und FundamentLage der Ankerschrauben, Lasten und weitere Daten für die Bau- und Fundamentplanung

Nur ein Beispiel. Der Inhalt hängt von der Art des Apparats und von den Unterlagen ab, die die Einkaufsspezifikation verlangt.

Freigabezeichnung und andere japanische Zeichnungsarten

In japanischen Projekten tauchen mehrere Zeichnungs- und Dokumentbezeichnungen auf, die in der Übersetzung leicht zu verwechseln sind. Die Tabelle zeigt, wie sich die Freigabezeichnung von den Unterlagen unterscheidet, die Sie wahrscheinlich zusammen mit ihr erhalten.

Japanischer BegriffDeutschErstellt vonRolle bei der Freigabe
計画図 (keikaku-zu)Planungszeichnung: vorläufige Anordnung und HauptmaßeBesteller oder dessen PlanerGrundlage für die Konstruktion des Lieferanten
承認図 (shonin-zu)Freigabezeichnung: Konstruktion des Lieferanten, vor der Fertigung zur Bestätigung eingereichtLieferantWird Ihnen zur Freigabe vorgelegt. Die Fertigung beginnt erst nach Ihrer Rückgabe.
参考図 (sanko-zu)Referenzzeichnung: nur zur InformationBeide SeitenIn der Regel keine Freigabe. Klären Sie, ob sie vertraglich bindend ist.
納入仕様書 (nonyu shiyosho)Lieferspezifikation: Spezifikationen und Zeichnungen der zu liefernden KomponenteLieferantHäufig zusammen mit den Freigabezeichnungen
製作図 (seisaku-zu)Fertigungszeichnung: Bearbeitungs- und Montagedetails auf Basis des freigegebenen InhaltsLieferant oder dessen FertigerWird aus dem freigegebenen Inhalt erstellt. Prüfen Sie, ob Ihr Vertrag auch hier eine Prüfung vorsieht.
完成図 (kansei-zu)Bestandszeichnung (As-built): tatsächlicher Zustand nach Montage und InbetriebnahmeLieferantÜbergabe bei Fertigstellung

Die Lieferspezifikation ist das Dokumentenpaket zur Komponente, die Freigabezeichnungen sind die Zeichnungen darin, etwa Zusammenbau-, Maß- und Zubehörzeichnungen. Manche Unternehmen nennen das gesamte Paket einschließlich Spezifikation „shonin-zu“. Wer mit Lastenheft und Pflichtenheft arbeitet, kann die japanische Einkaufsspezifikation grob mit dem Lastenheft des Auftraggebers vergleichen. Soweit die Unterlagen des Lieferanten die konkrete Umsetzung beschreiben, übernehmen sie Aufgaben eines Pflichtenhefts; eine feste begriffliche oder vertragliche Entsprechung gibt es nicht.

Referenzzeichnungen sind etwas anderes. Japanische öffentliche Auftraggeber trennen zum Beispiel Vertragsunterlagen von Referenzunterlagen, und eine als „Referenz“ gekennzeichnete Zeichnung ist meist kein Gegenstand der Freigabe. Ob das für Ihren Auftrag gilt, hängt vom Vertrag ab; klären Sie es mit der Gegenseite.

In einem Anlagenprojekt entstehen die Zeichnungen meist in der folgenden Reihenfolge.

Abbildung 2: Von der Planungszeichnung zur Bestandszeichnung

Der Lieferant setzt die Planungszeichnung in eine konkrete Konstruktion um, und der Besteller prüft diese Konstruktion vor der Fertigung anhand der Freigabezeichnung.

Planungs-zeichnungFreigabe-zeichnungFertigungs-zeichnungBestands-zeichnungBestellerLieferantLieferant / FertigerLieferant

Bezeichnungen und Zuständigkeiten unterscheiden sich nach Unternehmen und Projekt.

Beginnt der Lieferant vor der Freigabe mit der Fertigung und zeigt sich später eine Abweichung, muss der Apparat unter Umständen nachgearbeitet oder neu gebaut werden. Deshalb sollten Anschlussmaße, Werkstoffe und Stutzenausrichtung schon in der Phase der Freigabezeichnung geprüft werden.

Auch der englische Auszug der japanischen Norm für Zeichnungsbegriffe, JIS Z 8114, führt beide Stufen getrennt. Eine drawing for approval wird eingereicht, um die Freigabe dessen zu erhalten, was eine Bestellung oder ein ähnliches Dokument verlangt; eine approved drawing ist eine Zeichnung, die der Kunde oder eine andere Stelle freigegeben hat.

So läuft Prüfung und Rückgabe ab

Die Rückgabe mit Freigabe (shonin henkyaku, 承認返却) bedeutet, dass der Besteller die Zeichnungen oder Spezifikationen des Lieferanten zurückschickt und damit bestätigt, dass der Inhalt so in Ordnung ist. Sie ist der letzte Schritt eines Dokumentenaustauschs, der mit der Einkaufsspezifikation des Bestellers beginnt. Eine Zeichnung kann auch mit Anmerkungen oder mit der Bitte um Neuvorlage zurückkommen; dazu unten mehr.

Abbildung 3: Dokumentenaustausch zwischen Besteller und Lieferant

Jede Korrektur geht an den Lieferanten zurück, bis beide Seiten sich einig sind.

Schritt
Besteller
Lieferant
1. Spezifizieren
Gibt die Einkaufsspezifikation heraus
Erstellt eine Angebotsspezifikation
2. Verhandeln
Korrigiert die Angebotsspezifikation
Überarbeitet die Angebotsspezifikation
3. Bestellen
Erteilt die Bestellung
Erstellt Zeichnungen des zu liefernden Apparats
4. Prüfen
Korrigiert die Zeichnungen in Rot
Überarbeitet die Zeichnungen
5. Freigeben
Gibt die Zeichnungen mit Freigabe zurück
Beginnt mit der Fertigung

Vereinfacht. Die Schritte 2 und 4 können sich mehrmals wiederholen.

Gibt der Besteller eine Einkaufsspezifikation (kobai shiyosho, 購買仕様書) heraus, antwortet der Lieferant mit einer passenden Angebotsspezifikation (mitsumori shiyosho, 見積仕様書). Der Besteller verhandelt den Preis, schickt Korrekturen an der Spezifikation zurück, und beide Seiten wiederholen das, bis sie sich einig sind.

Abweichungen von der Einkaufsspezifikation, die der Lieferant in der Angebotsphase benennt, werden oft in einer Abweichungsliste (debikura) festgehalten und von beiden Seiten vereinbart.

Nach der Einigung über den Preis erteilt der Besteller die Bestellung, und der Lieferant erstellt detaillierte Zeichnungen des zu liefernden Apparats: die Freigabezeichnungen. Sie werden oft zusammen mit der Lieferspezifikation eingereicht, die Praxis unterscheidet sich aber je nach Unternehmen und Projekt.

Beide Seiten tauschen Anmerkungen aus, bis die Detailspezifikation vereinbart ist. Dann stempelt der Besteller die Zeichnungen und schickt sie zurück, und erst danach beginnt der Lieferant in der Regel mit der Fertigung.

Die drei Rückgabecodes: freigegeben, mit Anmerkungen, Neuvorlage

Die Bezeichnungen unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen. In der Regel trägt eine zurückgegebene Freigabezeichnung aber einen von drei Rückgabecodes.

Abbildung 4: Die drei Rückgabecodes

Der Rückgabecode entscheidet, ob und wann der Lieferant mit der Fertigung beginnen darf.

Rückgabecode
Bedeutung
Was der Lieferant tut
Freigegeben
承認 (shonin)
Die Zeichnung ist so in Ordnung
Beginnt mit der Fertigung
Freigegeben mit Anmerkungen
条件付き承認 / コメント付き承認
Fertigung ist zulässig, sobald die angemerkten Punkte korrigiert sind
Fertigt mit eingearbeiteten Anmerkungen und reicht die überarbeitete Zeichnung nach
Neuvorlage (nicht freigegeben)
再提出 (sai-teishutsu) / 不承認
Die Zeichnung hat Mängel und kann so nicht gebaut werden
Korrigiert die Zeichnung und reicht sie erneut zur Freigabe ein

Bezeichnungen, Symbole und Stempelfelder unterscheiden sich nach Unternehmen und Projekt. Hat der Besteller ein eigenes Format, gilt dieses.

Stempel und Rotkorrekturen lesen

Eine zurückgegebene Zeichnung trägt einen Freigabestempel (shonin-in, 承認印) oder eine Unterschrift, sodass Rückgabecode, Datum und Prüfer erkennbar sind. In Japan ersetzt häufig ein persönlicher Namensstempel (hanko) die Unterschrift. Korrekturen schreibt der Prüfer in Rot auf die Zeichnung, genannt shuki (朱記, „Rotvermerk“); jede Anmerkung sollte klar sagen, was falsch ist und was stattdessen gelten soll.

Viele japanische Zeichnungen haben im Schriftfeld zusätzlich kleine Stempelfelder für die internen Freigaben des Lieferanten, etwa erstellt (作成 / 設計), geprüft (検図) und genehmigt (承認). Das erinnert an die Felder für Ersteller und genehmigende Person, die DIN EN ISO 7200 für Schriftfelder vorsieht, eine feste Zuordnung gibt es aber nicht. Das Feld 承認 dokumentiert meist die interne Freigabe des Lieferanten, nicht die des Kunden; suchen Sie Stempel und Rückgabecode des Kunden als separaten Vermerk und fragen Sie im Zweifel nach, was jedes Feld bedeutet.

Bei „freigegeben mit Anmerkungen“ sollten Sie jede Bedingung, den Verantwortlichen und den Termin festhalten. Legen Sie für jedes Projekt fest, ob die Rotvermerke auf der Zeichnung genügen oder ob zusätzlich ein Kommentarblatt oder ein Besprechungsprotokoll nötig ist. Kommt die überarbeitete Zeichnung, prüfen Sie, ob alle Bedingungen erfüllt sind, und schließen Sie den Punkt dokumentiert ab.

Verspätete Rückgabe und wie man die Frist festlegt

Die Rückgabefrist ist der Termin, den beide Seiten am genauesten im Blick behalten müssen. Grundsätzlich beginnt der Lieferant erst mit der Fertigung, wenn die Zeichnung freigegeben zurückkommt; eine verspätete Rückgabe kann deshalb den Liefertermin verschieben.

Verzögert sich die Lieferung, kann der Besteller nicht planmäßig montieren, und das wirkt sich auf das gesamte Projekt aus. Um Zeit zu gewinnen, beginnt mancher Lieferant schon vor der Rückgabe mit der Fertigung, trägt dann aber in der Regel die Kosten der Nacharbeit, wenn später eine Abweichung auffällt.

In der Praxis vereinbaren Besteller und Lieferant manchmal eine bedingte Freigabe. Die Konstruktion ist noch nicht vollständig abgestimmt, aber der Besteller knüpft konkrete Bedingungen daran und lässt die Fertigung anlaufen. Da es sich um eine Absprache zwischen zwei Unternehmen handelt, wird das meist von Fall zu Fall entschieden.

Rückgabefrist festlegen

In Japan legt kein Gesetz und keine branchenweite Regel die Frist für die Rückgabe von Freigabezeichnungen fest. Üblicherweise regeln Bestellung oder Einkaufsspezifikation vorab zwei Punkte: wann der Lieferant die Zeichnungen einreicht und wie schnell der Besteller sie zurückgibt (zum Beispiel „innerhalb von X Tagen nach Eingang“). Die Frist wird vom Liefertermin rückwärts berechnet.

Abbildung 5: Rückwärtsrechnung vom Liefertermin

Ziehen Sie vom Liefertermin Transport, Prüfung und Fertigung ab, um den spätesten Rückgabetermin zu ermitteln.

01LieferterminAnlieferung auf der Baustelle
02Minus TransportTage vom Werk bis zur Baustelle
03Minus PrüfungWerksprüfung und Prüfung im Beisein des Bestellers
04Minus FertigungVon der Materialbestellung bis zur Endmontage
05RückgabefristBis zu diesem Tag gibt der Besteller die Zeichnungen zurück

Das Ergebnis ist die Rückgabefrist des Bestellers. Planen Sie beim Einreichtermin auch Zeit für Überarbeitung und erneute Prüfung ein, falls der Code „Neuvorlage“ lautet.

Jeder Tag Verspätung bei der Rückgabe verschiebt den Fertigungsbeginn um einen Tag und kann den Liefertermin gefährden. Besteller sollten deshalb Zeit für die eigene interne Prüfung einplanen, denn eine Zeichnung läuft oft durch Konstruktion, Elektrotechnik, MSR-Technik und Betrieb.

Eine Neuvorlage kostet zusätzlich die Zeit für die Überarbeitung beim Lieferanten und die zweite Prüfung beim Besteller. Gehen Sie davon aus, dass die erste Einreichung nicht freigegeben wird, und planen Sie mindestens eine weitere Runde ein. So lässt sich die Frist deutlich leichter halten.

In Schritt 03 finden die Werksprüfung und die Prüfung im Beisein des Bestellers statt, etwa ein Factory Acceptance Test (FAT). Ob damit auch eine vertragliche Abnahme verbunden ist, regelt der Vertrag.

Checkliste vor der Rückgabe einer Freigabezeichnung

Nutzen Sie diese Liste, wenn Sie eine Zeichnung eines japanischen Lieferanten prüfen. Sind Sie selbst Lieferant, zeigt sie, worauf ein japanischer Kunde voraussichtlich achtet.

  • Erfüllt die Zeichnung die Anforderungen aus Einkaufsspezifikation und Angebotsspezifikation?
  • Sind die in der Angebotsphase auf der Abweichungsliste (debikura) vereinbarten Abweichungen berücksichtigt?
  • Passen Lage und Form der Schnittstellen zu vor- und nachgeschalteten Apparaten und Rohrleitungen?
  • Ist genug Platz für Aufstellung und Wartung vorhanden?
  • Passen Anzahl und Einbaulage von Zubehör und Messgeräten zur Betriebsweise?
  • Ist die interne Prüfung abgeschlossen (zum Beispiel durch Konstruktion, Elektrotechnik, MSR-Technik und Betrieb)?
  • Ist der Rückgabecode eindeutig: freigegeben, freigegeben mit Anmerkungen oder Neuvorlage?
  • Ist jede Rotkorrektur so konkret, dass der Lieferant weiß, was er ändern muss?
  • Sind bei „freigegeben mit Anmerkungen“ Bedingungen, Verantwortlicher und Termin festgehalten?
  • Zeigen Stempel oder Unterschrift Datum und Prüfer?
  • Sind Zeichnungsnummer und Revisionsstand in Ihrer Freigabeliste eingetragen?

Finden Sie eine Abweichung, stempeln Sie die Zeichnung nicht einfach ab. Vermerken Sie auf der Zeichnung, wo und wie sie von der Spezifikation abweicht, und schicken Sie sie mit Ihrer Rückfrage zurück; ändert sich die Spezifikation selbst, aktualisieren Sie auch die zugehörigen Unterlagen wie Angebotsspezifikation und Abweichungsliste.

Wer trägt nach der Freigabe die Verantwortung?

Eine Freigabe verlagert die Verantwortung nicht automatisch auf den Besteller. Was die Freigabe bedeutet, regeln Vertrag und Spezifikationen, und das ist von Projekt zu Projekt verschieden. Zwei japanische Dokumente der öffentlichen Hand zeigen, wie das in der Praxis aussehen kann.

In einer besonderen Leistungsbeschreibung für ein Anlagenbauprojekt verlangt das Wasser- und Abwasseramt der Stadt Yokkaichi, dass der Auftragnehmer Zeichnungen zur Zustimmung des Auftraggebers einreicht (shodaku-zu, 承諾図, ein der shonin-zu nahestehender Begriff) und erst nach der Zustimmung mit den Arbeiten beginnt. Treten an der eingebauten Anlage später Mängel auf, die aus den zugestimmten Zeichnungen kaum vorhersehbar waren, muss der Auftragnehmer sie auf eigene Verantwortung ändern oder instand setzen.

Eine Richtlinie der Acquisition, Technology & Logistics Agency (ATLA) des japanischen Verteidigungsministeriums benennt die Grenzen der Freigabe ausdrücklich. Punkte, die die Spezifikation verbindlich festlegt, lassen sich durch eine Freigabe nicht ändern, sofern die Spezifikation nicht gesondert Ersatz zulässt, und eine Freigabe, die einen solchen Punkt irrtümlich ändert, ist unwirksam. Nach derselben Richtlinie werden offene Punkte, die die Spezifikation mit „ca.“ oder „als Standard“ beschreibt, durch die Freigabe der Zeichnungen festgelegt.

Sicher ist daher die Annahme, dass die Freigabe einer Zeichnung nicht dasselbe ist wie eine Änderung der Spezifikation; Spezifikationsänderungen sollten gesondert vereinbart und dokumentiert werden. Änderungen, die der Besteller in seinen Anmerkungen verlangt, und Maße, die er freigegeben hat, bleiben aber seine Entscheidungen. Halten Sie deshalb fest, was Sie geprüft und freigegeben haben, in den Rotvermerken oder im Besprechungsprotokoll.

Shonin-zu in der japanischen Automobilindustrie

Wer mit japanischen Automobilzulieferern arbeitet, hört auch den Begriff shonin-zu hoshiki (承認図方式). Gemeint ist hier etwas anderes: wie die Teilekonstruktion zwischen Fahrzeughersteller und Zulieferer aufgeteilt ist, nicht eine einzelne Zeichnung zu einer Bestellung.

Die Forschung zur japanischen Automobilzulieferung beschreibt mehrere Muster. Bei taiyo-zu hoshiki (貸与図方式, „beigestellte Zeichnung“) erstellt der Fahrzeughersteller die detaillierten Teilezeichnungen und stellt sie dem Zulieferer bei. Bei shonin-zu hoshiki („freigegebene Zeichnung“) entwickelt der Zulieferer die Detailkonstruktion auf Basis der Spezifikationen und der Grundkonstruktion des Herstellers, und der Hersteller gibt die Zeichnungen des Zulieferers frei. Katalogteile (shihan-hin, 市販品) konstruiert der Zulieferer vollständig selbst.

Abbildung 6: Konstruktionsmodelle der Autoindustrie und Freigabezeichnungen im Anlagenbau

In der Autoindustrie bezeichnet „shonin-zu“ ein Modell der Konstruktionsaufteilung, im Anlagenbau eine Zeichnung, die vor der Fertigung geprüft wird.

Beigestellte Zeichnung (taiyo-zu)
Freigegebene Zeichnung (shonin-zu hoshiki)
Freigabezeichnung im Anlagenbau
Einsatz
Beschaffung von Fahrzeugteilen
Beschaffung von Fahrzeugteilen
Bestellung kundenspezifischer Apparate
Detail­konstruktion durch
Fahrzeughersteller
Zulieferer
Apparatehersteller
Rolle des Bestellers
Erstellt detaillierte Teilezeichnungen und stellt sie dem Zulieferer bei
Legt Spezifikation und Grundkonstruktion fest; gibt die Zeichnungen des Zulieferers frei
Legt die Anforderungen in der Einkaufsspezifikation fest; prüft die Zeichnungen des Lieferanten und gibt sie zurück
Bedeutung des Begriffs
Ein Beschaffungsmodell (Konstruktionsaufteilung)
Ein Beschaffungsmodell (Konstruktionsaufteilung)
Die Zeichnung selbst, vor der Fertigung geprüft

Einteilung nach Asanuma (1997) u. a., wie bei Fujimoto und Ge (2000) dargestellt. Ein weiteres Muster, „beauftragte Zeichnung“ (itaku-zu hoshiki, 委託図方式), teilt die Konstruktionsarbeit wie das Freigabemodell auf, die endgültigen Zeichnungen verbleiben aber beim Fahrzeughersteller.

In beiden Fällen gibt der Besteller Zeichnungen frei, die der Lieferant erstellt hat. Der Begriff der Autoindustrie beschreibt jedoch ein Beschaffungsmodell, der Begriff des Anlagenbaus eine Zeichnung zu einem konkreten Auftrag; behalten Sie diesen Unterschied im Kopf, wenn das Wort in beiden Zusammenhängen auftaucht.

Nicht zu verwechseln ist das mit der Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPF) nach VDA Band 2, die deutsche Automobilzulieferer kennen. Dort weist der Lieferant vor Serienstart nach, dass Produkt und Prozess die Anforderungen erfüllen. Shonin-zu hoshiki dagegen regelt, wer die Teile konstruiert und wer die Zeichnungen freigibt.

Vorlage für eine Freigabeliste

Bei Projekten mit vielen Apparaten lohnt sich eine Liste mit Einreichdatum und Rückgabefrist jeder Zeichnung. Ein Standardformat gibt es nicht, aber Spalten wie diese verhindern, dass etwas untergeht.

Abbildung 7: Beispiel einer Freigabeliste

Eine Zeile je Zeichnungsnummer und Revision, mit Frist, Rückgabecode und nächstem Schritt.

Zeichnungs-Nr.
Rev.
Eingereicht
Rückgabe bis
Zurück am
Code
Nächster Schritt / zuständig
P-101 Maßbild
0
08.05.
22.05.
20.05.
Mit Anmerkungen
Lieferant: Stutzenausrichtung korrigieren, Rev. 1 einreichen
P-101 Maßbild
1
03.06.
10.06.
09.06.
Freigegeben
Keiner: abgeschlossen. Rev. 0 als ersetzt archivieren
T-201 Zusammen­bau
0
15.05.
29.05.
(offen)
In Prüfung
Besteller: MSR-Prüfung steht aus; vor Fristende nachfassen
E-301 Anschluss­plan
0
15.05.
29.05.
27.05.
Neuvorlage
Lieferant: Klemmennummern korrigieren und neu einreichen

Fiktives Beispiel zur Veranschaulichung; Zeichnungsnummern und Daten sind erfunden. Eine echte Liste kann auch Spalten für Projektname, Apparatekennzeichen, prüfende Abteilung und Änderungsgrund haben.

Die Liste sollte für jeden erkennbar machen, welche Revision gültig ist. Kennzeichnen Sie ersetzte Revisionen deutlich und vermerken Sie, was sich in jeder Revision geändert hat.

Prüfen Sie die Liste wöchentlich auf Zeichnungen, die überfällig sind oder kurz vor der Frist stehen, und fassen Sie nach. Legen Sie zu Projektbeginn fest, ob Einkauf oder Konstruktion die Liste führt.

Wo die Praxis abweicht

  • Bezeichnungen: Unternehmen verwenden shonin-zu, shonin-negai-zu, shonin-yo-zu und shodaku-zu unterschiedlich. Manche nennen das gesamte Paket einschließlich Spezifikation „shonin-zu“.
  • Rückgabecodes und Stempel: Bezeichnungen, Symbole und Stempelfelder unterscheiden sich. Ein eigenes Format des Bestellers geht dem des Lieferanten vor.
  • Fristen: In Japan legt sie kein Gesetz und keine Branchenregel fest. Sie ergeben sich aus Bestellung oder Spezifikation des jeweiligen Projekts.
  • Wirkung der Freigabe: Wer danach verantwortlich ist, hängt vom Vertrag und der Spezifikation ab, nicht vom Stempel.
  • Branche: In der Autoindustrie kann „shonin-zu“ ein Modell der Konstruktionsaufteilung statt einer einzelnen Zeichnung bedeuten.

Fragen an Ihren japanischen Partner

Viele Missverständnisse lassen sich vermeiden, wenn Sie diese Punkte zu Projektbeginn klären. Die Fragen eignen sich für das Kick-off-Meeting oder eine kurze E-Mail.

  • Welche Zeichnungen und Unterlagen reichen Sie zur Freigabe ein, und welche nur zur Information (sanko-zu)?
  • Wann reichen Sie die Freigabezeichnungen ein, und innerhalb welcher Frist erwarten Sie die Rückgabe?
  • Welche Rückgabecodes verwenden Sie, und gilt unser Format oder Ihres?
  • Was bedeuten die Stempelfelder in Ihrem Schriftfeld, und wo erwarten Sie unseren Freigabevermerk?
  • Welche Arbeiten beginnen Sie bei „freigegeben mit Anmerkungen“, welche Anmerkungen müssen vorher umgesetzt sein, und bis wann reichen Sie die überarbeitete Zeichnung nach?
  • Wie kennzeichnen Sie Revisionen und ersetzte Stände?
Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Freigabezeichnung (shonin-zu) reicht der Lieferant ein, damit der Besteller Spezifikationen und Maße vor der Fertigung bestätigt. Die Rückgabe mit Freigabe heißt shonin henkyaku.
  • Prüfen Sie sie gegen Einkaufsspezifikation, Angebotsspezifikation und Abweichungsliste und kontrollieren Sie Schnittstellen und Aufstellfläche.
  • Vereinbaren Sie die Rückgabefrist bei der Bestellung, rechnen Sie sie vom Liefertermin zurück und planen Sie Zeit für eine Neuvorlage ein.
  • Ist eine vollständige Einigung noch nicht möglich, kann eine bedingte Freigabe helfen. Legen Sie dann Umfang, Bedingungen, Verantwortliche und Termine eindeutig fest und verfolgen Sie jede Bedingung bis zum Abschluss.
  • Führen Sie die Rückgaben je Zeichnungsnummer und Revision in einer Liste, damit gültige Revision und offene Punkte für alle sichtbar sind.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen shonin-negai-zu und shonin-zu?

Wo Unternehmen unterscheiden, ist die shonin-negai-zu (oder shonin-yo-zu) die eingereichte Zeichnung und die shonin-zu die freigegebene. Im Alltag nennen viele beide „shonin-zu“. Auch japanische Normen und Behörden trennen die Stufen: JIS Z 8114 kennt „drawing for approval“ und „approved drawing“, und die ATLA-Richtlinie unterscheidet zur Freigabe eingereichte Unterlagen (shonin-yo tosho, 承認用図書) von freigegebenen Unterlagen (shonin tosho, 承認図書), wobei jeder Einreichung ein Freigabeantrag (shonin-negai-sho, 承認願書) beiliegt.

Darf ein japanischer Lieferant vor der Freigabe mit der Fertigung beginnen?

In der Regel nicht; der Lieferant wartet auf die freigegebenen Zeichnungen. Um den Liefertermin zu halten, beginnt mancher auf eigenes Risiko und trägt dann meist die Kosten einer Nacharbeit. Bei knapper Zeit können beide Seiten eine bedingte Freigabe vereinbaren, unter der die Fertigung mit konkreten Auflagen beginnt.

Wie viel Zeit hat der Besteller für die Rückgabe?

Eine gesetzliche oder branchenweite Frist gibt es in Japan nicht. Die Frist wird in Bestellung oder Einkaufsspezifikation vereinbart, meist als Anzahl Tage nach Eingang, und vom Liefertermin zurückgerechnet. Planen Sie Zeit für Ihre interne Prüfung und mindestens eine Neuvorlage ein.

Ist eine Freigabezeichnung dasselbe wie eine Lieferspezifikation?

Nein, aber beide hängen eng zusammen. Die Lieferspezifikation (nonyu shiyosho) umfasst das gesamte Dokumentenpaket, die Freigabezeichnungen sind die Zeichnungen darin. Beide werden meist gemeinsam eingereicht und zurückgegeben, und manche Unternehmen nennen das ganze Paket „shonin-zu“.

Macht mich mein Freigabestempel für die Konstruktion verantwortlich?

Das hängt vom Vertrag ab. In den oben genannten japanischen Beispielen der öffentlichen Hand änderte die Freigabe keine verbindlichen Anforderungen der Spezifikation, und der Auftragnehmer blieb für Mängel verantwortlich, die aus den Zeichnungen kaum vorhersehbar waren. Änderungen, die Sie verlangt, und Maße, die Sie freigegeben haben, bleiben jedoch Ihre Entscheidungen; dokumentieren Sie deshalb, was Sie geprüft haben. Wie das in einem Vertrag nach deutschem Recht zu bewerten ist, klären Sie mit Ihrer Rechtsabteilung.

Quellen

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Über die Redaktion

MONOSCOPE-RedaktionFOUNDER & EDITOR

Rund zehn Jahre bei einem Anlagenhersteller und einem Anlagenbauunternehmen in Angebot, Konstruktion und Inbetriebnahme von Anlagen tätig, danach Wechsel ins Online-Marketing. Berät heute B2B-Hersteller zu ihren Websites und hilft ihnen, Produkte und Technik verständlich zu erklären. Besitzt die japanischen staatlichen Lizenzen als Energy Manager und als Elektro-Chefingenieur der dritten Klasse.

Betreibt seit 2017 einen Technik-Blog (über 500 Artikel) und einen japanischsprachigen YouTube-Kanal mit rund 20.000 Abonnenten. Jeder Leitfaden entsteht aus der Perspektive der japanischen Werkshalle und wird mit den zitierten Normen abgeglichen.

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