Hozen: Instandhaltung in japanischen Werken, Arten und TPM

Sie wechseln in ein japanisch geführtes Werk oder beliefern eines, und in jeder Besprechung fällt das Wort Hozen. Die japanischen Kollegen fragen, ob ein Förderband auf „BM“ bleiben soll, wollen eine Pumpe von „TBM“ auf „CBM“ umstellen und sprechen vom „Hozen-Team“, als sei allen klar, wo dessen Aufgaben enden und die der Produktion beginnen. Die Begriffe lassen sich auf bekannte Instandhaltungskonzepte abbilden. Einige bedeuten aber nicht das, was man aus der DIN-EN-Terminologie erwartet.
Dieser Leitfaden erklärt, was Setsubi Hozen (設備保全, Anlageninstandhaltung) in einem japanischen Werk umfasst, was die Instandhaltungsabteilung tatsächlich tut und wie die japanische Terminologie die Instandhaltung gliedert. Außerdem zeigt er, wo das alles im TPM (Total Productive Maintenance) steht und wie sich die Begriffe zu EN 13306 und DIN 31051 verhalten. Am Ende finden Sie eine Begriffstabelle, Fragen an die japanische Seite und einen FAQ-Teil.
Inhalt
- Was ist Hozen (Setsubi Hozen)?
- Aufgaben der Hozen-Abteilung
- Arten der Instandhaltung in der japanischen Terminologie
- Hozen im TPM
- Kennzahlen der Instandhaltung in japanischen Werken
- Stillstandsfenster: wenn Hozen am meisten zu tun hat
- Sicherheit: Maschine stoppen und sichern, bevor gearbeitet wird
- Kompetenzen und die Prüfung Kikai Hozen Gino Kentei
- Kurzreferenz: japanische Instandhaltungsbegriffe
- Fragen an die japanische Seite
- Grenzen dieses Leitfadens
- FAQ
Was ist Hozen (Setsubi Hozen)?
Hozen (保全) bedeutet Instandhaltung, Setsubi Hozen ist die Anlageninstandhaltung. Gemeint ist alles, was ein Werk tut, damit seine Anlagen ihre ursprüngliche Leistung dauerhaft erbringen. Der Umfang reicht über die Produktionsmaschinen wie Werkzeugmaschinen, Montagelinien und Fördertechnik hinaus. Er schließt auch die Medienversorgung ein, die das Werk am Laufen hält: Kompressoren, Mittel- und Niederspannungsanlagen, Klimatechnik und Kessel.
Die japanische Norm JIS Z 8141 (Begriffe der Produktionsführung) definiert die Anlageninstandhaltung über drei Funktionen: Verschlechterung verhindern, Verschlechterung messen und die Leistung nach einer Verschlechterung wiederherstellen. Als Tätigkeiten nennt sie Planung, Inspektion, Prüfung, Einstellung, Wartung, Reparatur und Austausch, ausgeführt täglich oder periodisch.
Die Definition geht von einer Annahme aus: Anlagen verschleißen durch den Gebrauch immer. Hozen verlangsamt diesen Verschleiß, verfolgt, wie weit er fortgeschritten ist, und bringt verschlissene Teile in den Ausgangszustand zurück. So laufen die Anlagen ohne ungeplante Stillstände weiter.
Zum deutschen Sprachgebrauch: DIN 31051 gliedert die Instandhaltung in Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung. Die drei Funktionen der JIS-Definition lassen sich grob darauf abbilden, eine Eins-zu-eins-Entsprechung gibt es jedoch nicht. Hozen bezeichnet im Alltag zudem oft die Abteilung und die Rollenverteilung, nicht nur die Tätigkeiten.
Die Definition nach JIS Z 8141, übersetzt in die Arbeit am Shopfloor.
Japanische Werke nehmen das ernst, weil eine einzige stehende Maschine eine ganze Linie lahmlegen kann. Ein Stillstand bedeutet verspätete Lieferungen und eine neu geordnete Produktionsplanung, dazu Personalkosten während des Stillstands und Anlaufausschuss beim Wiederanfahren. Verschlissene Anlagen verursachen auch im laufenden Betrieb Probleme, etwa Maßstreuung und Fremdkörper im Produkt.
Eine Anlage mit ungelöstem Fehler kann sich außerdem unerwartet bewegen und wird dadurch zum Sicherheitsrisiko. Deshalb berührt Hozen gleichzeitig Ausbringung, Qualität, Arbeitssicherheit und Kosten.
Aufgaben der Hozen-Abteilung

Die Instandhaltungsabteilung (Hozen bumon, 保全部門) teilt ihre Arbeit in zwei Arten: geplante Arbeiten in festen Zyklen und die Störungsbehebung, wenn etwas unvorhergesehen ausfällt. Wo die Grenzen verlaufen, unterscheidet sich von Firma zu Firma. Die folgenden sechs Aufgaben sind jedoch typisch.
Obere Reihe: Zustand erfassen. Mittlere Reihe: reparieren und verbessern. Untere Reihe: die Instandhaltung organisieren.
Hinweis: In kleinen Werken deckt oft eine Person alle sechs Aufgaben ab. Große Werke trennen häufig die Planer von den Technikern vor Ort.
Inspektion und Störungsbehebung
Die Inspektion bildet die tägliche Grundlage. Die Techniker gehen mit einer festen Checkliste ihre Runden und achten auf ungewöhnliche Geräusche oder Schwingungen, steigende Temperaturen und Ölschwitzen. Die meisten Fehler kündigen sich vor dem Ausfall auf irgendeine Weise an. Diese Anzeichen zu erkennen ist der Zweck der Inspektion.
Plötzliche Ausfälle lassen sich durch noch so viele Inspektionen jedoch nicht auf null bringen. Steht eine Linie, wird der Hozen-Techniker gerufen. Er muss klären, ob Sensor, Motor oder Steuerungsprogramm die Ursache sind, und die Linie wieder zum Laufen bringen. Solange sie steht, ist die Ausbringung null. In dieser Phase zählen deshalb Tempo und Treffsicherheit bei der Ursachensuche.
Verbesserung und Instandhaltungsplanung
Mit der Reparatur ist die Arbeit nicht beendet. Hozen-Teams gehen der Frage nach, warum ein Teil ausgefallen ist, und ändern etwas, damit es nicht wieder passiert. Beispiele sind ein verschleißfesterer Werkstoff für ein schnell verschleißendes Teil oder eine Schmierstelle, die an einen gut erreichbaren Ort verlegt wird. Jede dieser Änderungen macht die Anlage ein Stück weniger betreuungsintensiv.
Die Abteilung führt außerdem Aufzeichnungen über Inspektionen und Austausch und erfasst die Instandhaltungskosten jeder Maschine. Diese Daten bilden die Grundlage, um den nächsten Austausch vorherzusagen und zu entscheiden, welche Anlage ganz ersetzt werden sollte.
Der Tagesrhythmus dieser Arbeit und die Frage, wie Störungen einen geplanten Tag durcheinanderbringen, werden in einem eigenen Leitfaden behandelt.
Mechanik und Elektrik, und der Unterschied zu Seisan Gijutsu
Größere Hozen-Teams teilen sich oft nach Fachgebieten auf. Das mechanische Personal (Kikai-kei) betreut Lager, Getriebe, Hydraulik und Pneumatik sowie Pumpen. Das elektrische Personal (Denki-kei) betreut Motoren, Frequenzumrichter, Sensoren, Schaltschränke und SPS. In kleinen Werken deckt häufig eine Person beides ab.
Am häufigsten wird Hozen mit Seisan Gijutsu (生産技術, in diesem Kontext Fertigungsplanung/Produktionstechnik) verwechselt. Grob gesagt plant und startet die Produktionstechnik neue Linien und Anlagen, während Hozen diese Anlagen nach dem Anlauf täglich am Laufen hält und weiter verbessert.
Arten der Instandhaltung in der japanischen Terminologie
Japanische Werke setzen mehrere Instandhaltungsstrategien ein und wählen nach der Kritikalität der Anlage und den Folgen eines Ausfalls. Sie fallen in zwei Gruppen: Methoden, die den Betrieb erhalten, und Methoden, die die Anlage selbst besser machen.
„Ausfälle beheben oder verhindern“ (erhalten) gegenüber „die Anlage besser machen“ (verbessern).
Hinweis: Die Definitionen folgen JIS Z 8141 (Begriffe der Produktionsführung). Bezeichnungen und Gruppierung unterscheiden sich von Firma zu Firma.
Vorsicht bei der Abkürzung „CM“. In EN 13306 und im deutschen Sprachgebrauch bedeutet „korrektive Instandhaltung“ die Maßnahme nach der Fehlererkennung. Das entspricht dem japanischen Jigo Hozen, und auch JIS Z 8141 führt „corrective maintenance“ als englischen Begriff dafür. In der japanischen TPM-Praxis steht „CM“ dagegen häufig für Kairyo Hozen: Arbeiten, die die Anlage so ändern, dass der Fehler nicht wiederkehrt. Wenn ein Bericht oder ein KPI-Blatt „CM“ nennt, fragen Sie nach, welche Bedeutung gemeint ist.
Jigo Hozen: ausfallbedingte Instandhaltung (BM)
JIS Z 8141 definiert Jigo Hozen (事後保全) als Instandhaltung, die nach der Fehlererkennung durchgeführt wird, um das Objekt wieder in den Zustand zu versetzen, in dem es die geforderte Funktion erfüllt. Einfacher gesagt: Man repariert, wenn es kaputtgeht.
Das klingt nachlässig, aber alle Maschinen vorbeugend zu warten ist nicht realistisch. Bei Anlagen, deren Stillstand die Ausbringung kaum beeinträchtigt, bei Anlagen mit Reserveeinheit und bei günstigen, schnell getauschten Teilen kann die bewusste Wahl der ausfallbedingten Instandhaltung rational sein.
Teiki Hozen: zeitbasierte Instandhaltung (TBM)
Die vorbeugende Instandhaltung (Yobo Hozen, 予防保全) soll die Auswirkungen des Verschleißes mindern und die Ausfallwahrscheinlichkeit senken. Teiki Hozen (定期保全, auch zeitbasierte Instandhaltung, TBM) ist die Form, die JIS als vorbeugende Instandhaltung in festgelegten Zeitabständen definiert. Sie entspricht damit im Kern der „vorausbestimmten Instandhaltung“ nach EN 13306.
Der Zyklus ergibt sich aus Ausfallaufzeichnungen und Herstellerempfehlungen: „Diesen Riemen alle sechs Monate wechseln“, „diese Pumpe einmal jährlich zerlegen und prüfen“. TBM lässt sich leicht planen, tauscht aber auch Teile, die noch Lebensdauer hatten. Ein zu kurzer Zyklus treibt die Kosten, ein zu langer verhindert die Ausfälle nicht.
Yochi Hozen: zustandsbasierte Instandhaltung (CBM)
Die zustandsbasierte Instandhaltung (CBM) richtet sich nach dem Anlagenzustand statt nach dem Kalender. JIS Z 8141 definiert Yochi Hozen (予知保全, „Predictive Maintenance“) als vorbeugende Methode, die Verschleißtendenzen mit Diagnoseverfahren überwacht und vor dem Ausfall zum günstigsten Zeitpunkt die beste Maßnahme ergreift. Die Norm vermerkt, dass sie auch zustandsbasierte Instandhaltung heißt.
Wichtig für den Sprachgebrauch: EN 13306 unterscheidet die zustandsorientierte Instandhaltung von der „vorausschauenden“ Instandhaltung, die als Sonderfall auf einer Prognose beruht. Das japanische Yochi Hozen deckt nach JIS beide Begriffe ab. Klären Sie im Gespräch, ob tatsächlich eine Prognose gemeint ist oder nur ein Schwellenwert auf einem Messwert.
Die Techniker messen Schwingung, Temperatur, Strom oder Schmierstoffzustand und tauschen das Teil, wenn der Trend eine festgelegte Schwelle überschreitet. Der Vorteil: Die Anlage bekommt nur dann und nur so viel Aufmerksamkeit, wie sie braucht. Sensorik und Datenanalyse haben CBM verbreitet.
Keine Strategie ist generell besser. Jede passt zu manchen Anlagen und zu anderen nicht.
Hinweis: Reale Werke kombinieren meist alle drei, abgestimmt auf die Kritikalität der jeweiligen Anlage.
Kairyo Hozen und Hozen Yobo: die Anlage verbessern
Kairyo Hozen (改良保全, Verbesserungsinstandhaltung) zielt darauf, die Anlage weniger ausfallanfällig zu machen oder ihre Leistung zu steigern. Fällt dieselbe Stelle immer wieder aus, ist eine Konstruktionsänderung meist günstiger, als das Teil wieder und wieder zu ersetzen. Am ehesten entspricht das der „Verbesserung“ in DIN 31051.
Hozen Yobo (保全予防, Instandhaltungsprävention, MP) setzt noch früher an. Frühere Instandhaltungsaufzeichnungen und Ausfalldaten werden bereits bei Planung und Konstruktion neuer Anlagen berücksichtigt, damit die Anlage von Anfang an weniger ausfällt und leichter zu inspizieren ist. Sendet ein Hozen-Team vor dem Kauf einer Anlage Anforderungen an die Fertigungsplanung oder den Anlagenhersteller, ist das gelebte Instandhaltungsprävention. Wenn Sie für einen japanischen Kunden Anlagen bauen, können Sie solche Anforderungen erhalten. Im deutschen Sprachgebrauch ist das am ehesten die „instandhaltungsgerechte Konstruktion“.
Hozen im TPM

In einem japanischen Werk ist Instandhaltung nicht allein Sache der Instandhaltungsabteilung. TPM (Total Productive Maintenance), in der japanischen Fertigung weit verbreitet, wurde 1971 vom Japan Institute of Plant Maintenance (JIPM) vorgeschlagen. Das JIPM nennt als Ziel, gemeinsam Systeme aufzubauen, die jede Art von Verlust im Voraus verhindern, etwa „Null Unfälle, Null Fehler, Null Ausfälle“.
Zwei Säulen betreffen die Anlageninstandhaltung unmittelbar: autonome Instandhaltung und geplante Instandhaltung.
Hinweis: Säulennamen und die drei Gruppen folgen der JIPM-Seite „Was ist TPM“ (japanisch). Die Beschreibungen sind allgemeine Zusammenfassungen. Die deutschen Bezeichnungen der Säulen unterscheiden sich je nach Quelle.
Der Instandhaltung am nächsten steht die Säule Jishu Hozen (自主保全, autonome Instandhaltung). Die Bediener der Produktion, die die Anlage jeden Tag fahren, übernehmen Reinigen, Schmieren, Schrauben nachziehen und einfache Inspektionen selbst. Dahinter steht der Gedanke, dass Menschen, die die Anlage täglich berühren, Abweichungen als Erste bemerken.
Hat sich die autonome Instandhaltung etabliert, muss die Hozen-Abteilung nicht mehr die Routinepflege übernehmen. Sie kann sich auf Keikaku Hozen (計画保全, geplante Instandhaltung) konzentrieren: periodische Wartung, Diagnose und Verbesserungsarbeiten, die Fachwissen erfordern.
Fehler durch Reinigen zu finden überschneidet sich stark mit 5S und gilt als Grundlage der Verbesserung am Shopfloor.
Kennzahlen der Instandhaltung in japanischen Werken
Das Gefühl, es habe „weniger Ausfälle gegeben“, reicht nicht aus, um die Instandhaltung zu beurteilen. Werke messen, wie effizient die Anlagen laufen, und legen anhand der Zahlen die Verbesserungsprioritäten fest.
Drei Faktoren, miteinander multipliziert, erfassen Verluste durch Stillstand, Minderleistung und Ausschuss.
Hinweis: Die OEE wurde vom JIPM entwickelt. Formel und Begriffe folgen JIS Z 8141. Japanische Begriffe: Setsubi sogo koritsu (OEE), Jikan kadoritsu (Verfügbarkeit), Seino kadoritsu (Leistungsgrad), Ryohinritsu (Qualitätsgrad).
Die OEE (Gesamtanlageneffektivität, GAE) trennt die Verluste: Sie sehen, ob Stillstände, langsamer Lauf oder Ausschuss das Problem sind. Die beiden Zuverlässigkeitskennzahlen lesen sich einfach: Eine längere MTBF heißt, die Anlage fällt seltener aus, eine kürzere MTTR heißt, sie ist schneller repariert. Deshalb belegt man damit gern den Effekt von Verbesserungen.
Auch die Zahl der Störungsrufe und die dadurch verursachte Stillstandszeit dienen als Maßstab für die Abteilung. Bevor Sie diese Zahlen mit einem anderen Werk vergleichen, klären Sie, wie beide Seiten Stillstandszeit zählen. Das gilt auch für den Bezugszeitraum der Verfügbarkeit und für die Frage, ob Rüsten dazugehört. Die Verfügbarkeit in der OEE ist ein Zeitanteil, nicht mit der Verfügbarkeit als Eigenschaft nach EN 13306 identisch.
Stillstandsfenster: wenn Hozen am meisten zu tun hat
In Japan bieten die langen Feiertage (Golden Week von Ende April bis Anfang Mai, die Sommerpause und der Jahreswechsel) seltene Gelegenheiten, Anlagen lange stillzulegen. Viele Werke legen große Wartungen und Anlagenumbauten in diese Fenster. Das Hozen-Team hat also gerade dann am meisten zu tun, wenn das Werk geschlossen ist. Werke mit 24-Stunden-Betrieb setzen das Instandhaltungspersonal zudem teils in Schichten ein oder rufen es nachts und an Feiertagen.
Als Fremdfirma oder Anlagenhersteller bestimmen diese Fenster Ihren Terminplan, ähnlich wie die Betriebsferien in Deutschland, aber mit festerem Rhythmus. Das Hozen-Team stimmt Reihenfolge und Sicherheitsmaßnahmen der Umbauarbeiten in den Ferien vorab mit den Fremdfirmen ab. Prozessanlagen mit gesetzlichen Prüfzyklen planen eigene große Stillstände (Turnaround), siehe Teishu.
Sicherheit: Maschine stoppen und sichern, bevor gearbeitet wird
Hozen-Arbeit findet unmittelbar neben Maschinen statt, die sich bewegen können. In Japan verlangt Artikel 107 der Verordnung über Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (Rodo anzen eisei kisoku, kurz Anei-soku), dass der Arbeitgeber eine Maschine stoppt, wenn bei Reinigung, Schmierung, Inspektion, Reparatur oder Einstellung Gefahr für die Beschäftigten bestehen kann. Einstellarbeiten wurden im Oktober 2013 in die Aufzählung aufgenommen.
Nach dem Stoppen muss der Arbeitgeber Maßnahmen wie das Verschließen der Startvorrichtung und das Anbringen eines Schildes treffen, damit niemand außer den ausführenden Beschäftigten die Maschine starten kann. Ein Merkblatt des japanischen Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales ergänzt, dass Schilder abfallen oder übersehen werden können. Deshalb sei ein Schloss zusammen mit dem Schild vorzuziehen.
Ungewöhnliche Tätigkeiten wie Inspektion, Einstellen und Stauräumen heißen Hiteijo Sagyo (非定常作業, Nicht-Routinearbeit). Ein Merkblatt einer Arbeitsaufsichtsbehörde beschreibt einen tödlichen Unfall: Für Einstellarbeiten gab es keine sichere Arbeitsanweisung, und die Maschine lief während der Arbeit wieder an.
Das sind japanische Rechtsvorschriften. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gelten die jeweiligen nationalen Vorgaben. Für Deutschland sind zum Beispiel die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) zur Instandhaltung von Arbeitsmitteln, die Regeln für das Arbeiten an elektrischen Anlagen (DIN VDE 0105-100 mit DGUV Vorschrift 3) und EN ISO 14118 zur Vermeidung von unerwartetem Anlauf einschlägig.
Die Verfahren einer japanischen Muttergesellschaft und die örtlichen Vorschriften können voneinander abweichen. Klären Sie deshalb, welches Regelwerk an Ihrem Standort gilt und wer es freigibt. Wer eine stehende Linie schnell wieder anfahren muss, ist versucht, Schritte zu überspringen. Hastige Kontrollen führen zu Folgeunfällen oder falschen Reparaturen.
Kompetenzen und die Prüfung Kikai Hozen Gino Kentei
Hozen verlangt mechanisches und elektrisches Wissen. Die meisten Techniker bauen ihre Bandbreite im Beruf auf, indem sie Störungen gemeinsam mit erfahrenen Kollegen beheben. In der Mechanik sind Aufbau von Lagern, Getrieben, Hydraulik und Pneumatik sowie das Lesen von Zeichnungen die Grundlage. In der Elektrik beschleunigen Schaltungsgrundlagen und das Verständnis von SPS und Ablaufsteuerung die Fehlereingrenzung erheblich.
Leicht übersehen wird die Abstimmung. Hozen-Techniker verhandeln Stillstandszeiten mit der Produktion, lassen sich von den Bedienern die Symptome genau beschreiben und erklären Fremdfirmen die Spezifikation. Die Arbeit hat genauso viel mit Menschen zu tun wie mit Maschinen.
Die bekannteste japanische Qualifikation in diesem Feld ist die Kikai Hozen Gino Kentei (機械保全技能検定, staatliche Fachprüfung für Maschineninstandhaltung). Wer besteht, darf sich Kikai Hozen Ginoshi (Maschineninstandhaltungs-Fachkraft mit staatlicher Prüfung) nennen. Das JIPM führt die Prüfungen durch.
Klasse 3 setzt keine Berufserfahrung voraus und ist ein gängiges erstes Ziel für Berufseinsteiger. Sie begegnet Ihnen im Lebenslauf eines japanischen Ingenieurs oder im Schulungsplan der Muttergesellschaft. Eine Entsprechung zu deutschen Ausbildungsberufen wie Industriemechaniker/-in oder Elektroniker/-in für Betriebstechnik gibt es nicht. Als grobe Orientierung ist der Vergleich nützlich, mehr nicht.
Höhere Klassen setzen mehr Jahre praktischer Erfahrung voraus.
Hinweis: Nach dem Leitfaden des JIPM zur zweiten Prüfung 2026 (japanisch). Die geforderte Erfahrung kann je nach Schul- und Berufsausbildung verkürzt werden. Aktuelle Einzelheiten stehen auf der offiziellen Website.
Je nach Anlage können japanische Hozen-Mitarbeiter weitere Lizenzen haben: Elektriker (Denki Koji Shi), Elektro-Chefingenieur (Denki Shunin Gijutsusha), Gefahrstoff-Fachkraft (Kikenbutsu Toriatsukaisha, nach dem japanischen Brandschutzrecht), Kessel-Lizenzen sowie Kran- und Anschlag-Schulungsnachweise.
In Japan dürfen manche Arbeiten an elektrischen Anlagen und Kesseln gesetzlich nur von Lizenzinhabern ausgeführt werden. Das Personal ergänzt die Lizenzen deshalb passend zu den betreuten Anlagen. Die Regeln in Deutschland, Österreich und der Schweiz (etwa Elektrofachkraft, befähigte Person) weichen davon ab. Prüfen Sie die örtlichen Anforderungen.
Kurzreferenz: japanische Instandhaltungsbegriffe
Die Tabelle ordnet die japanischen Begriffe den deutschen Entsprechungen zu. Die Spalte „Deutsch“ nennt, wo möglich, die Bezeichnung nach EN 13306 oder DIN 31051. „Entspricht ungefähr“ heißt nicht „identisch“.
| Japanisch | Rōmaji | Deutsch | Abkürzung |
|---|---|---|---|
| 設備保全 | setsubi hozen | Anlageninstandhaltung | – |
| 保全部門 | hozen bumon | Instandhaltungsabteilung | – |
| 事後保全 | jigo hozen | ausfallbedingte Instandhaltung; nach EN 13306 am ehesten „korrektive Instandhaltung“ (JIS Englisch: corrective maintenance) | BM |
| 予防保全 | yobo hozen | vorbeugende Instandhaltung | PM |
| 定期保全 / 時間基準保全 | teiki hozen / jikan kijun hozen | zeitbasierte, periodische Instandhaltung; entspricht ungefähr der „vorausbestimmten Instandhaltung“ | TBM |
| 予知保全 / 状態基準保全 | yochi hozen / jotai kijun hozen | zustandsorientierte Instandhaltung (nach JIS auch „predictive“; EN 13306 trennt „vorausschauend“ als Sonderfall) | CBM |
| 改良保全 | kairyo hozen | Verbesserungsinstandhaltung; entspricht ungefähr „Verbesserung“ nach DIN 31051 (in der TPM-Praxis oft „CM“) | CM |
| 保全予防 | hozen yobo | Instandhaltungsprävention; instandhaltungsgerechte Konstruktion | MP |
| 計画保全 | keikaku hozen | geplante Instandhaltung (TPM-Säule) | – |
| 自主保全 | jishu hozen | autonome Instandhaltung (TPM-Säule) | AM |
| 設備総合効率 | setsubi sogo koritsu | Gesamtanlageneffektivität (GAE) | OEE |
| 非定常作業 | hiteijo sagyo | Nicht-Routinearbeit | – |
Beachten Sie: „PM“ kann in älteren japanischen Unterlagen auch „Productive Maintenance“ bedeuten, das Konzept vor dem TPM. Meist ergibt der Zusammenhang, was gemeint ist.
Fragen an die japanische Seite
Nutzen Sie diese Fragen, wenn Sie mit einem japanischen Hozen-Team, dem TPM-Büro einer japanischen Muttergesellschaft oder der Instandhaltung eines japanischen Kunden zusammenarbeiten.
- Welche Anlagen laufen unter BM, TBM oder CBM, und wie wurde die Kritikalität jeder Maschine eingestuft?
- Meinen Sie mit „CM“ in Ihren Berichten Verbesserungsarbeiten oder die Reparatur nach einem Ausfall?
- Welche Aufgaben gehören den Bedienern (Jishu Hozen) und welche dem Hozen-Team? Gibt es eine schriftliche Liste?
- Wo endet die Zuständigkeit von Hozen und wo beginnt die der Fertigungsplanung, insbesondere beim Anlauf neuer Anlagen?
- Wie werden OEE, MTBF und MTTR hier berechnet? Was zählt als Stillstandszeit, und ist Rüsten enthalten?
- Welche Stillstandsfenster (Golden Week, Sommer, Jahreswechsel) sind für große Arbeiten reserviert, und wie früh müssen Fremdfirmen ihre Pläne bestätigen?
- Bei neuen Anlagen: Welche Anforderungen der Instandhaltungsprävention (MP) senden Sie wann an den Anlagenhersteller?
- Welche Regeln zur Sicherung gegen Wiedereinschalten gelten vor Ort: der Standard der Muttergesellschaft, das örtliche Recht oder beides? Wer genehmigt Arbeitsverfahren für Nicht-Routinearbeiten?
- Welche Normen sollen für Instandhaltungsunterlagen gelten (JIS, DIN/EN, interne Standards), und wie sind Begriffe wie „Wartung“ und „Inspektion“ definiert?
Grenzen dieses Leitfadens
Die Instandhaltungsorganisation unterscheidet sich zwischen japanischen Firmen und Branchen stark. In kleinen Werken erledigt eine Person alles, größere Werke trennen oft Planung und Ausführung und teilen Mechanik und Elektrik auf. Auch der Begriffsgebrauch schwankt: Firmen gruppieren Instandhaltungsstrategien teils anders als JIS Z 8141, und die deutsche TPM-Terminologie ist nicht einheitlich.
Die Hinweise zu EN 13306, DIN 31051 und deutschen Vorschriften sind nur Orientierungshilfen für den Begriffsabgleich. Die genauen Norminhalte müssen Sie im Originaltext prüfen. Die rechtlichen Hinweise zu Japan beschreiben ausschließlich japanische Regeln und sind keine Arbeitsanweisung. Befolgen Sie immer die Verfahren Ihres Werks und das geltende Recht.
FAQ
Was bedeutet Hozen auf Japanisch?
Hozen (保全) bedeutet Instandhaltung. Im Werk meint es meist Setsubi Hozen, die Anlageninstandhaltung, oder die Instandhaltungsabteilung selbst. Jishu Hozen ist die autonome Instandhaltung durch die Bediener, Keikaku Hozen die geplante Instandhaltung durch das Instandhaltungsteam.
Ist „Corrective Maintenance“ dasselbe wie ausfallbedingte Instandhaltung?
Das hängt vom Sprecher ab. In EN 13306 und im allgemeinen englischen Sprachgebrauch bedeutet es die Reparatur nach einer Störung. Das deckt sich mit Jigo Hozen, und JIS Z 8141 führt „corrective maintenance“ ebenfalls dafür. In der japanischen TPM-Praxis steht „CM“ aber oft für Kairyo Hozen, die Verbesserungsinstandhaltung, die die Anlage so ändert, dass Ausfälle seltener wiederkehren. Fragen Sie nach, welche Bedeutung gemeint ist.
Welche Arten der Instandhaltung gibt es in japanischen Werken?
Die japanische Terminologie nennt üblicherweise fünf: ausfallbedingte Instandhaltung (BM), zeitbasierte Instandhaltung (TBM), zustandsbasierte Instandhaltung (CBM), Verbesserungsinstandhaltung (Kairyo Hozen, oft CM) und Instandhaltungsprävention (MP). TBM und CBM sind beide Formen der vorbeugenden Instandhaltung.
Was unterscheidet geplante von autonomer Instandhaltung?
Die autonome Instandhaltung (Jishu Hozen) ist die Routinepflege durch die Bediener der Produktion: Reinigen, Schmieren, Nachziehen und tägliche Kontrollen. Die geplante Instandhaltung (Keikaku Hozen) liegt bei der Instandhaltungsabteilung: planmäßige Wartung, Diagnose und Verbesserungsarbeiten, die Fachwissen erfordern.
Was ist Instandhaltungsprävention (MP)?
Die Instandhaltungsprävention (Hozen Yobo) nutzt frühere Instandhaltungsaufzeichnungen und Ausfalldaten bei Planung und Konstruktion neuer Anlagen. Die Anlage fällt dadurch seltener aus und lässt sich leichter inspizieren. In der Praxis sendet die Instandhaltung des Werks Anforderungen an die Fertigungsplanung und den Anlagenhersteller, bevor die Anlage gebaut wird.
Quellen
- Definitionen der Anlageninstandhaltung und der Strategien: JIS Z 8141:2022 Begriffe der Produktionsführung, Instandhaltungsbegriffe (japanisch)
- OEE-Formel: JIS Z 8141:2001 Begriffe der Produktionsführung (japanisch)
- TPM-Definition und die acht Säulen: Japan Institute of Plant Maintenance, „Was ist TPM“ (japanisch)
- Klassen und Zulassung der Kikai Hozen Gino Kentei: Prüfung Maschineninstandhaltung, Übersicht zur zweiten Prüfung 2026 (japanisch)
- Artikel 107, Maschinenstopp und Sicherung der Startvorrichtung: Merkblatt des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales zu Artikel 107 (japanisch)
- Unfall bei Nicht-Routinearbeit: Arbeitsbehörde Niigata, Arbeitsaufsichtsamt Koide, Merkblatt zur Vermeidung von Einzug- und Quetschunfällen (japanisch)
- Deutsche Begriffe und Vorschriften (zum Abgleich, im Originaltext prüfen): DIN EN 13306 (Begriffe der Instandhaltung), DIN 31051 (Grundlagen der Instandhaltung), Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), DIN VDE 0105-100, DIN EN ISO 14118
Originalartikel auf JapanischDieser Leitfaden beruht auf einem MONOSCOPE-Artikel für Leser in Japan: 設備保全とは?仕事内容・保全の種類・1日の流れを現場目線で整理


