Gewindeplatte (Tap Plate): Maschine auf Stahl montieren

Sie prüfen die Spezifikation eines Pumpenskids, Ventilators oder Schaltschranks von einem japanischen Lieferanten. Eine Zeile lautet „タッププレート、ボルト、ナットを付属する“: Tap Plates, Schrauben und Muttern gehören zum Lieferumfang (fuzoku, 付属). Ihr Stahlbau-Team fragt, was ein „Tap Plate“ ist, und niemand kann sagen, wer es an den Stahl schweißen soll.
Ein Tap Plate (タッププレート) ist eine Metallplatte mit Gewindebohrungen („Tap“ ist in Japan der Gewindebohrer). Steht eine Maschine auf einer Stahlkonstruktion, wird die Platte an den Stahl geschweißt und dient als Auflager für die Befestigungsschrauben. Auf japanischen Baustellen heißt sie auch „Tap Base“ (タップベース) oder „Tapping Plate“ (タッピングプレート).
Dieser Beitrag erklärt, wofür die Platte dient und wie sie sich zu anderen Befestigungsarten am Stahl verhält. Er zeigt, wie sich die Montage auf Stahl von der auf einem Betonfundament unterscheidet und was Sie in der Spezifikation und vor Ort prüfen sollten. Am Ende finden Sie eine Checkliste, Fragen an den japanischen Lieferanten und ein FAQ zu ähnlichen Teilen und zur deutschen Bezeichnung.
Inhalt
- Was ist ein Tap Plate (Gewindeplatte)?
- Wozu dient ein Tap Plate? Drei Arten, Maschinen am Stahl zu befestigen
- Montageablauf: Betonfundament und Stahlkonstruktion im Vergleich
- Was Sie prüfen sollten, wenn die Spezifikation Tap Plates nennt
- Checkliste und Fragen an Ihren japanischen Lieferanten
- Grenzen dieses Beitrags
- FAQ zum Tap Plate
- Quellen
Was ist ein Tap Plate (Gewindeplatte)?
Allgemein ist ein Tap Plate jede Metallplatte mit Gewindebohrungen. In der Anlagenmontage ist meist eine Platte gemeint, auf der eine Maschine oder ein Gerät auf einer Stahlkonstruktion befestigt wird. Im Deutschen passt dafür am besten „Gewindeplatte“ oder „Aufschweißplatte mit Gewinde“.
Das Gewinde wird mit einem Gewindebohrer in die Bohrung geschnitten. Eine Schraube lässt sich dann direkt in die Platte eindrehen, die Platte übernimmt also die Aufgabe der Mutter.
Die Schrauben sitzen in den Gewindebohrungen der an den Stahl geschweißten Platten. Der Maschinenfuß liegt über den Schrauben, von oben werden die Muttern angezogen.
Die Anordnung entspricht den Montageschritten auf Stahl weiter unten. Wie die Schrauben konkret gehalten werden, hängt von Größe und Konstruktion der Maschine ab.
Tap Plates kommen auch als Bauteile innerhalb von Maschinen vor. Dieser Beitrag behandelt nur Tap Plates für die Aufstellung von Maschinen.
Wozu dient ein Tap Plate? Drei Arten, Maschinen am Stahl zu befestigen
Der Zweck eines Tap Plates ist es, die Maschine mit der Stahlkonstruktion zu verschrauben. Es gibt drei gängige Arten, eine Maschine am Stahl zu befestigen. Nebeneinander gestellt, wird der Grund für die Gewindeplatte am besten sichtbar.
Mit einer Gewindeplatte verschrauben Sie die Maschine, ohne den Stahl zu bohren, und können sie später wieder lösen.
Welche Methode geeignet ist, hängt vom Maschinengewicht und von den Konstruktionsbedingungen des Stahlbaus ab. Die Tabelle vergleicht nur die allgemeinen Unterschiede.
Das Thema dieses Beitrags ist die Montage auf Stahl. Zum Vergleich folgt zuerst der übliche Ablauf auf einem Betonfundament.
Montageablauf: Betonfundament und Stahlkonstruktion im Vergleich
Auf Beton wird häufig ein Verbundanker verwendet: Eine Harzpatrone verklebt die Ankerschraube im Bohrloch. Auf Stahl übernimmt die angeschweißte Gewindeplatte die Rolle des Ankers. Abbildung 3 zeigt beide Abläufe Schritt für Schritt.
Der letzte Schritt ist gleich: Maschine aufsetzen und Muttern anziehen. Unterschiedlich ist, wie die Schraube gehalten wird.
Nur ein grober Überblick. Der tatsächliche Ablauf ändert sich mit Maschinengröße und Projekt.
So sehen die fertigen Montagen aus. Auf Beton sitzen die Ankerschrauben im Harz:

Auf Stahl hält die angeschweißte Gewindeplatte die Schrauben, der Stahl selbst muss also nicht gebohrt werden:

Man könnte die Maschine auch direkt an den Stahl schweißen. Mit einer Gewindeplatte bleibt die Maschine demontierbar, was bei der Instandhaltung hilft. Dazu muss der Schraubenschlüssel aber an die Muttern kommen; wo Rohrleitungen und Rahmen die Maschine eng umgeben, prüfen Sie den Platz bereits in der Aufstellungsplanung.
Wichtig: „Ankerplatte“ ist im Deutschen meist eine in den Beton eingelassene Platte mit Ankern und damit ein anderes Bauteil. Für die hier beschriebene, auf Stahl geschweißte Platte verwenden wir „Gewindeplatte“.
Was Sie prüfen sollten, wenn die Spezifikation Tap Plates nennt
Ein Tap Plate ist ein kleines Teil. Wenn aber niemand die Details festlegt, steht die Arbeit vor Ort still. Die Prüfpunkte lassen sich in zwei Gruppen teilen: was Sie in Spezifikation und Zeichnungen klären, und was Sie bei der Montage kontrollieren.
Die ersten beiden prüfen Sie in Spezifikation und Zeichnungen, die letzten beiden vor Ort.
Konkrete Plattendicke und Gewindegröße ergeben sich aus der Konstruktion von Maschine und Unterbau. Dieser Beitrag nennt keine Richtwerte.
In Spezifikation und Zeichnungen
Beginnen Sie mit dem Lieferumfang und der Zuständigkeit, in japanischen Spezifikationen shosho (所掌). Steht dort, Tap Plates, Schrauben und Muttern seien „付属“ (fuzoku, im Lieferumfang), liefert der Maschinenlieferant die Teile. Wer die Platten an den Stahl schweißt, sagt dieser Satz allein nicht.
Die Aufteilung unterscheidet sich von Vertrag zu Vertrag. Halten Sie schon in der Angebotsspezifikation (mitsumori shiyosho, 見積仕様書) schriftlich fest, wer schweißt und wer lackiert, damit keine Aufgabe zwischen beiden Parteien liegen bleibt. Für die Schweißarbeit an tragenden Stahlbauteilen klären Sie außerdem die Anforderungen an Schweißanweisung und Schweißerqualifikation (im Stahlbau typischerweise DIN EN 1090-2) und die Freigabe durch den Tragwerksplaner.
Prüfen Sie dann Plattendicke und Gewindegröße. Weil die Platte die Mutter ersetzt, greifen bei einer zu dünnen Platte zu wenige Gewindegänge in die Schraube. Der Komponentenhersteller Elesa+Ganter gibt in seinem Katalog für Platten mit Gewindebohrungen an, dass die Plattendicke der minimalen Einschraubtiefe entspricht. Schraubengröße und Festigkeitsklasse (nach DIN EN ISO 898-1) legt der Konstrukteur zusammen mit dem Anziehdrehmoment fest.
Bei der Montage
Vor Ort prüfen Sie zuerst die Lage der Bohrungen. Die Gewindeplatte wird nach den Befestigungsbohrungen der Maschine positioniert und dann geschweißt; gleichen Sie sie vor dem Schweißen mit den Maßen der Maschine ab.
Danach prüfen Sie das Gewinde. Schweißspritzer (kleine Metalltropfen, die beim Schweißen wegspritzen) oder Farbe im Gewinde erschweren das Eindrehen der Schrauben. Deshalb werden die Gewindebohrungen vor dem Schweißen oder Lackieren abgedeckt (japanisch yojo, 養生), oder das Gewinde wird nach der Arbeit kontrolliert.
Checkliste und Fragen an Ihren japanischen Lieferanten
Nutzen Sie die folgenden Listen, wenn eine japanische Spezifikation oder Zeichnung Tap Plates (タッププレート), Tap Bases (タップベース) oder Tapping Plates (タッピングプレート) nennt.
Checkliste
- Spezifikation: Nennt der Lieferumfang Tap Plates, Schrauben und Muttern? Wird jedes Teil vom Maschinenlieferanten oder von Ihnen geliefert?
- Spezifikation: Ist festgelegt, wer die Platten an den Stahl schweißt und wer danach lackiert oder ausbessert?
- Zeichnungen: Zeigen die Zeichnungen Plattendicke, Gewindegröße und Lage der Bohrungen mit Maßen?
- Zeichnungen: Hat der Verantwortliche für die Stahlkonstruktion die Lage der Platten auf dem Träger bestätigt?
- Stahlbau: Sind Schweißanforderungen (Schweißanweisung, Qualifikation) und die Freigabe durch den Tragwerksplaner geklärt?
- Aufstellungsplanung: Ist rund um die Muttern genug Platz für einen Schraubenschlüssel, auch mit Rohrleitungen und Rahmen in der Nähe?
- Vor dem Schweißen: Wurde die Lage der Platten mit den tatsächlichen Befestigungsbohrungen der Maschine abgeglichen?
- Schweißen und Lackieren: Sind die Gewindebohrungen abgedeckt?
- Vor dem Aufsetzen der Maschine: Lassen sich die Schrauben leichtgängig eindrehen, ohne Spritzer oder Farbe im Gewinde?
Fragen an den Lieferanten
- Gehören Tap Plates, Schrauben und Muttern zu Ihrem Lieferumfang?
- Wer ist dafür zuständig, die Tap Plates an die Stahlkonstruktion zu schweißen und anschließend zu lackieren?
- Bitte geben Sie Plattendicke, Werkstoff, Gewindegröße und Bohrbild in der Zeichnung an.
- Bitte senden Sie eine bemaßte Zeichnung der Befestigungsbohrungen der Maschine, damit wir die Platten vor dem Schweißen positionieren können.
Muster-Anfrage
Betreff: Tap Plates für [Maschinenbezeichnung] – Lieferumfang und Zeichnungsangaben
Sehr geehrte/r [Name],
in Ihrer Spezifikation steht, dass Tap Plates, Schrauben und Muttern mit [Maschinenbezeichnung] geliefert werden. Zur Vorbereitung der Stahlbauarbeiten bitten wir Sie um Bestätigung der folgenden Punkte:
1. Wer schweißt die Tap Plates an unsere Stahlkonstruktion, und wer lackiert sie anschließend?
2. Plattendicke, Werkstoff, Gewindegröße und Bohrbild (bitte in der Zeichnung angeben).
3. Eine bemaßte Zeichnung der Befestigungsbohrungen der Maschine.
Vielen Dank und freundliche Grüße
[Ihr Name]
Grenzen dieses Beitrags
- Plattendicke und Gewindegröße ergeben sich aus der Konstruktion der Maschine und ihres Unterbaus. Dieser Beitrag nennt keine Richtwerte; klären Sie sie mit dem Konstrukteur und dem Lieferanten.
- Ob geschweißt, durchgeschraubt oder mit Gewindeplatte befestigt wird, hängt vom Maschinengewicht und den Konstruktionsbedingungen des Stahlbaus ab.
- Die Bezeichnungen „Tap Plate“, „Tap Base“ und „Tapping Plate“ sind nicht genormt, der Gebrauch variiert je nach Firma und Baustelle. Erkennen Sie das Teil an Form und Maßen, nicht am Namen.
- Die obigen Montageschritte sind ein grober Überblick und keine Arbeitsanweisung. Maßgeblich sind die freigegebenen Verfahren des Projekts und die Vorgaben der Verantwortlichen für Stahlbau und Maschine.
- Die Hinweise zu deutschen und europäischen Normen sind Orientierung. Welche Anforderungen im Projekt gelten, legen Vertrag, Tragwerksplanung und Schweißaufsicht fest.
FAQ zum Tap Plate
Sie sehen ähnlich aus, unterscheiden sich aber darin, wo sie sitzen und was sie halten.
Was unterscheidet Tap Plate, Tap Base und Tapping Plate?
Alle drei sind Namen, die manchmal für Platten mit Gewindebohrungen verwendet werden. Sie sind nicht genormt, und der Gebrauch variiert je nach Firma und Baustelle.
Ein japanischer Rohrleitungsbauer führt zum Beispiel einen „溶接タップベース“ (yosetsu tappu bēsu, „Schweiß-Tap-Base“) unter seinen Fertigungsbeispielen. Eine als Sockel aufgeschweißte Platte wird also manchmal „Base“ genannt. Erkennen Sie das Teil in Zeichnungen und Spezifikationen an Form und Maßen.
Hat ein Tap Plate etwas mit einer Tapping-Schraube zu tun?
Nein. Die Namen ähneln sich, die Teile sind aber verschieden. Eine Tapping-Schraube (im Deutschen etwa Blechschraube bzw. gewindeformende Schraube) formt ihr Innengewinde beim Eindrehen selbst und wird nur in ein Kernloch gesetzt, ohne Gewindebohrer und Mutter.
Sie wird vor allem in dünnem Stahlblech verwendet. Bei einem Tap Plate ist das Gewinde dagegen vorab mit einem Gewindebohrer geschnitten.
Wie heißt ein Tap Plate auf Deutsch?
Eine feste deutsche Bezeichnung konnten wir nicht finden. Passend sind „Gewindeplatte“ oder „Aufschweißplatte mit Gewinde“; im englischsprachigen Raum liest man „plate with tapped holes“ oder „threaded plate“. „Ankerplatte“ sollten Sie vermeiden, da damit meist eine einbetonierte Platte gemeint ist.
Verlassen Sie sich im grenzüberschreitenden Austausch nicht allein auf den Namen. Geben Sie Plattendicke, Gewindenenngröße und Lage der Bohrungen als Maße an, um Missverständnisse zu vermeiden.
Wie unterscheidet sich ein Tap Plate von einer Mutternplatte?
Eine Mutternplatte (Nut Plate) ist eine kleine Platte mit Innengewinde, die anstelle einer Mutter auf der Rückseite eines Bauteils sitzt. Bei Scharnierbeschlägen zum Beispiel werden Mutternplatten mit vorgeschnittenem Gewinde als Zubehör verkauft.
Beide haben ein Gewinde in einer Platte. Der Unterschied: Die Mutternplatte klemmt ein Bauteil von hinten, das Tap Plate wird als Auflager für die Maschine an die Stahlkonstruktion geschweißt.
Wie unterscheidet sich ein Tap Plate von einer Schweißmutter?
Eine andere Methode ist, hinter einer Schraubenbohrung im Stahlblech oder Rahmen eine Mutter anzuschweißen, damit man die Schraube anziehen kann, ohne die Mutter zu halten. In Japan sind Schweißmuttern in JIS B 1196 geregelt, und Herstellerkataloge gliedern sie in Sechskant-, Vierkant- und T-Form. In Europa sind die nächstliegenden Normen DIN 929 (Sechskant-Schweißmuttern) und DIN EN ISO 21670 (Sechskant-Schweißmuttern mit Bund); ob ein japanisches Teil gleichwertig ist, klären Sie mit dem Lieferanten.
Bei einem Tap Plate ist das Gewinde in die Platte selbst geschnitten, es gibt also keine Mutter anzuschweißen.
Wie unterscheidet sich ein Tap Plate von der Montageplatte im Schaltschrank?
Im Schaltschrank werden Geräte auf einer Stahlplatte montiert, die japanische Schrankhersteller kiban (基板) nennen und die im Deutschen der Montageplatte entspricht. Die Stahl-Montageplatte BP22 von Nitto Kogyo ist zum Beispiel 2,3 mm dick.
In die Montageplatte werden passend zu den Geräten Bohrungen gesetzt, und Leitungsschutzschalter, Reihenklemmen und 35-mm-Tragschienen (Hutschienen, TS 35 nach DIN EN 60715; im Nitto-Katalog „IEC-Schiene“) werden verschraubt. Diese Platte ist ein anderes Bauteil als ein Tap Plate für die Aufstellung. Wenn Sie aber den Schrank oder einen Klemmenkasten (JB, Junction Box) selbst auf einem Stahlrahmen montieren, ist das in diesem Beitrag beschriebene Verfahren eine Möglichkeit.
Zu den Signalen zwischen Schaltschränken und Feldgeräten siehe den Beitrag zu DI/DO, AI/AO und japanischen I/O-Listen.
Quellen
- Gewindebohrer (Werkzeuge zum Schneiden von Innengewinden): MonotaRO, „Arten und Verwendung von Gewindebohrern“ (Japanisch)
- Plattendicke und Einschraubtiefe; „Platten mit Gewindebohrungen“: Elesa+Ganter, GN 7247.4 Plates, Stainless Steel, with Tapped Holes
- Funktionsweise von Tapping-Schrauben: MISUMI Technische Daten, „Merkmale, Arten und Verwendung von Tapping-Schrauben“ (Japanisch)
- „Schweiß-Tap-Base“ als Bezeichnung: B.W.W., Fertigungsbeispiel „SUS304 HL Schweiß-Tap-Base“ (Japanisch)
- Mutternplatten: Sugatsune, „Nut Plate 218-09XX“ (Japanisch)
- Schweißmuttern (JIS B 1196): Shinjo Manufacturing, „Schweißmuttern und Schweiß-Flanschmuttern“ (Japanisch)
- Montageplatte und IEC-Schiene: Nitto Kogyo, „[BP22] Stahl-Montageplatte“ (Japanisch); Nitto Kogyo, „[TB-DR] IEC-Schiene (35 mm breit)“ (Japanisch)
- DIN 929 (Sechskant-Schweißmuttern, Ausgabe 2013; Flanschausführung in DIN EN ISO 21670): GlobalSpec, DIN 929
Originalartikel auf JapanischDieser Leitfaden beruht auf einem MONOSCOPE-Artikel für Leser in Japan: タッププレート(タップベース)とは?鉄骨への機器据付で使う目的と手順


