US-Zölle auf Importe aus Japan 2026: Sätze und Folgen

Im aktuellen Angebot Ihres japanischen Lieferanten steht eine neue Zeile für US-Zölle, und der Vertrieb fragt, wer „Importer of Record“ (Importeur im Sinne des US-Zollrechts) sein wird. Oder ein japanischer Kunde bittet Ihr Werk, für jedes gelieferte Teil das Ursprungsland und den Stahlanteil zu bestätigen. Alle diese Anfragen haben dieselbe Ursache: Die US-Zollpolitik gegenüber Japan hat sich seit 2025 mehrfach geändert, und japanische Hersteller ordnen ihre Lieferketten neu.
Dieser Beitrag erklärt, welche US-Zölle Stand September 2026 auf Importe aus Japan gelten, wie der Satz „12,5 % inklusive MFN“ funktioniert, welche Branchen am stärksten betroffen sind und wie japanische Hersteller reagieren. Am Ende finden Sie eine Checkliste mit Fragen an Ihren japanischen Lieferanten und eine kurze E-Mail-Vorlage.
Wichtig: Die US-Zollregeln ändern sich weiter. Dieser Beitrag fasst veröffentlichte Informationen mit Stand September 2026 zusammen. Er ist keine Rechts- oder Zollberatung. Prüfen Sie den aktuellen Satz für jede HTS-Nummer (die Einreihung der Ware im US-Zolltarif, Harmonized Tariff Schedule) mit Ihrem Zollagenten oder anhand der offiziellen Hinweise von CBP und USTR, bevor Sie kalkulieren oder liefern.

Inhalt
- US-Zölle auf Waren aus Japan 2026: das Wichtigste in Kürze
- Wie sich die US-Zollregeln gegenüber Japan seit 2025 geändert haben
- So berechnen Sie den Gesamtsatz von 12,5 %
- Was das für Sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet
- Welche japanischen Branchen am stärksten betroffen sind
- Warum sich Lieferketten verschieben: China-Risiko und Wirtschaftssicherheit
- Wie japanische Hersteller reagieren
- Was das für die Zusammenarbeit mit japanischen Lieferanten bedeutet
- Checkliste: Fragen an Ihren japanischen Lieferanten zu US-Zöllen
- Grenzen dieses Artikels
- FAQ: US-Zölle auf Importe aus Japan
- Quellen
US-Zölle auf Waren aus Japan 2026: das Wichtigste in Kürze
Seit 2025 stützen sich die US-Zölle auf Waren aus Japan auf vier verschiedene Gesetze, und der Satz hat sich jedes Mal geändert, wenn sich die Rechtsgrundlage änderte. Stand September 2026 gelten zwei Ebenen:
- Section-301-Zölle (die meisten Waren): Seit dem 24. Juli 2026 gilt für die meisten Waren aus Japan ein Gesamtsatz von 12,5 %, der den normalen Meistbegünstigungszollsatz (MFN) einschließt. Liegt der normale Zollsatz einer Ware bereits bei 12,5 % oder darüber, fällt kein zusätzlicher Section-301-Zoll an.
- Section-232-Zölle (bestimmte Waren): Für Stahl, Aluminium, Kupfer, Autos und Autoteile sowie mehrere weitere Warengruppen gelten eigene Zölle. Section 301 gilt für diese Waren nicht.
Die „reziproken“ Zölle von 2025, die auf dem International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) beruhten, gelten nicht mehr. Der Oberste Gerichtshof der USA (Supreme Court) hat sie am 20. Februar 2026 für rechtswidrig erklärt.
Mit jeder neuen Rechtsgrundlage änderten sich auch die Sätze und die erfassten Waren.
Nach Veröffentlichungen von JETRO und Mitteilungen der US-Regierung. Die Sätze beziehen sich auf Importe aus Japan.
Wie sich die US-Zollregeln gegenüber Japan seit 2025 geändert haben
Reziproke Zölle und Section-232-Zölle 2025
Die Zölle von 2025 lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Die reziproken Zölle beruhten auf dem IEEPA. Sie legten für jedes Land einen Zusatzzoll fest, begründet unter anderem mit Handelsdefiziten, und betrafen die meisten Waren aus Japan.
Die Section-232-Zölle beruhen auf Section 232 des Trade Expansion Act von 1962. Sie richten sich aus Gründen der nationalen Sicherheit gegen bestimmte Produkte. Sie begannen im März 2025 mit Stahl und Aluminium und wurden später auf Autos und Autoteile, Kupfer, Lkw, Holz und weitere Produkte ausgedehnt. Weil sie auf einem anderen Gesetz beruhen, blieben sie vom Urteil des Supreme Court 2026 unberührt.
Das Abkommen zwischen den USA und Japan von 2025
Japan und die USA einigten sich im Juli 2025. Der US-Präsident unterzeichnete am 4. September 2025 eine Executive Order (Präsidialerlass) zur Umsetzung. Die wichtigsten Punkte:
- Die reziproken Zölle auf japanische Waren wurden auf 15 % begrenzt, der bestehende Zoll eingerechnet. Lag der bestehende Zoll bereits bei 15 % oder darüber, kam kein Zusatzzoll hinzu.
- Die Section-232-Zölle auf japanische Autos und Autoteile wurden auf 15 % gesenkt, ebenfalls einschließlich des bestehenden Zolls.
- Zivile Flugzeuge und Flugzeugteile wurden von den Zusatzzöllen ausgenommen.
Im Gegenzug sagte Japan Investitionen von rund 550 Mrd. USD in den USA zu, dazu höhere Käufe von US-Reis sowie von US-Agrarprodukten und anderen Gütern im Umfang von rund 8 Mrd. USD pro Jahr. Staatsnahe Finanzinstitute wie die Japan Bank for International Cooperation (JBIC) sollen die Investitionen über Beteiligungen, Kredite und Garantien stützen; als mögliche Ziele gelten unter anderem Energie und KI-Infrastruktur.
Das Urteil des Supreme Court und die Erstattung der IEEPA-Zölle
Am 20. Februar 2026 entschied der Supreme Court, dass das IEEPA keine Zölle erlaubt und die darauf gestützten Zusatzzölle daher rechtswidrig waren. Die reziproken Zölle auf Japan und andere Länder verloren ihre Rechtsgrundlage; der Präsident kündigte noch am selben Tag an, die IEEPA-Zölle auszusetzen.
Die Erstattung bereits gezahlter IEEPA-Zölle läuft. In der Regel geht die Erstattung an den Importer of Record, also an die Partei, die den Zoll an die US-Zollbehörde (Customs and Border Protection, CBP) gezahlt hat. War die US-Tochter eines japanischen Unternehmens der Importeur, kann sie den Antrag selbst stellen. Waren Sie als US-Kunde der Importeur, geht die Erstattung an Sie, und Ihr japanischer Lieferant fragt möglicherweise, wie sie sich in den Preisen niederschlagen soll. Wer den Zoll überhaupt trägt, bestimmen Vertragsbedingungen und Incoterms; Vertrieb und Finanzen sollten daher wissen, welche Seite Importeur war.
Vom Importaufschlag nach Section 122 zu den Section-301-Zöllen
Nach dem Ende der IEEPA-Zölle erhob die US-Regierung auf Grundlage von Section 122 des Trade Act von 1974 einen Importaufschlag von 10 % auf die meisten Importe. Section 122 ist ein befristetes Instrument bei Zahlungsbilanzproblemen und auf 150 Tage begrenzt; der Aufschlag lief daher vom 24. Februar bis zum 24. Juli 2026.
Kurz vor Ablauf, am 23. Juli 2026, erließ das Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) die endgültige Entscheidung über neue Zölle nach Section 301 des Trade Act von 1974. Sie betreffen 60 Länder und Regionen, darunter Japan, bei denen USTR die Maßnahmen gegen die Einfuhr von Waren aus Zwangsarbeit als unzureichend ansah. Die neuen Zölle traten am 24. Juli 2026 in Kraft.
Für Japan ist der Section-301-Zoll so bemessen, dass der normale MFN-Zoll (Meistbegünstigungszollsatz) plus Section-301-Zoll zusammen 12,5 % ergeben. Liegt der MFN-Zoll einer Ware bereits bei 12,5 % oder darüber, fällt kein Section-301-Zoll an. Das ist weniger als die Obergrenze von 15 % aus dem Abkommen von 2025, aber der Satz kann sich durch spätere Überprüfungen oder Gerichtsentscheidungen noch ändern.
Section-232-Zölle gelten weiter
Die Section-232-Zölle waren nicht Gegenstand des Verfahrens vor dem Supreme Court und gelten Stand September 2026 weiter. Section-301-Zölle gelten nicht für Waren, die unter Section 232 fallen. Nach der Zusammenstellung von JETRO mit Stand 27. Juli 2026 gilt:
- Autos und Autoteile aus Japan: 15 % einschließlich des bestehenden Zolls, gemäß dem Abkommen zwischen den USA und Japan.
- Erzeugnisse aus Stahl und Aluminium: grundsätzlich 50 %.
- Kupfererzeugnisse: 25–50 %, je nach Produkt.
- Weitere Section-232-Waren: unter anderem mittelschwere und schwere Lkw, Holz und Holzwaren, bestimmte Halbleiter und patentgeschützte Arzneimittel.
Die Regeln für Metalle wurden 2026 mehrfach überarbeitet; abgeleitete Erzeugnisse (derivative products) und einige Arten von Ausrüstung können andere Sätze haben. Prüfen Sie den genauen Satz für jede HTS-Nummer.
Kurz gesagt: Mit dem Ende der reziproken Zölle sind die Zollkosten auf japanische Waren nicht verschwunden.
Zwischen dem Abkommen von 2025 und September 2026 hat sich für die meisten Waren die Rechtsgrundlage geändert.
Nach Veröffentlichungen von JETRO. Den aktuellen Satz für jede HTS-Nummer bitte in offiziellen Quellen bestätigen.
So berechnen Sie den Gesamtsatz von 12,5 %
Weil die 12,5 % den MFN-Zoll einschließen, hängt der Mehraufwand von der HTS-Nummer des jeweiligen Produkts ab. Ein Teil mit 2,5 % MFN-Zoll bekommt 10 Prozentpunkte dazu, ein Teil mit 0 % MFN-Zoll die vollen 12,5 Punkte. Die folgenden fiktiven Teile zeigen, wie dieselbe Regel zu unterschiedlichen Ergebnissen führt:
| Fiktives Teil (hergestellt in Japan) | MFN-Zoll | Section-301-Zoll | Gesamtzoll |
|---|---|---|---|
| Teil A (Beispiel) | 0 % | 12,5 Punkte | 12,5 % |
| Teil B (Beispiel) | 2,5 % | 10 Punkte | 12,5 % |
| Teil C (Beispiel) | 14 % | 0 | 14 % (nur MFN) |
| Stahl- oder Autoteil unter Section 232 | — | Nicht anwendbar | Section-232-Satz gilt |
Zwei weitere Punkte sind in der Praxis wichtig. Erstens richtet sich der Satz nach dem Ursprungsland, wie es nach den US-Zollregeln bestimmt wird, nicht nach der Nationalität des Lieferanten. Ein Teil, das ein japanisches Unternehmen in Thailand oder Mexiko fertigt, wird in der Regel nicht mit dem Satz für Japan belegt. Zweitens sollten Sie die HTS-Einreihung prüfen, die Ihr Lieferant oder Zollagent verwendet: Eine andere Nummer kann sowohl den MFN-Zoll als auch die Frage ändern, ob Section 232 gilt.
Was das für Sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet
Die genannten Zölle fallen bei der Einfuhr in die USA an. Für eine Lieferung von Japan direkt nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz sind sie nicht relevant. Sie betreffen Sie aber, wenn eine US-Tochter oder ein US-Kunde japanische Anlagen und Teile bezieht, wenn Ihre Produkte japanische Komponenten enthalten und in die USA gehen oder wenn ein japanischer Kunde Ursprungs- und Materialdaten von Ihnen verlangt.
Zwei Unterschiede zum europäischen Zollalltag führen oft zu Missverständnissen. Das US-Ursprungsland wird nach US-Regeln bestimmt und stimmt nicht automatisch mit dem nichtpräferenziellen Ursprung nach dem Unionszollkodex oder mit einem Präferenznachweis überein. Außerdem ist die US-Tarifnummer (HTS) feiner gegliedert als die Warennummer im EU-Zolltarif: Die ersten sechs Stellen sind international harmonisiert (HS), die weiteren Stellen sind national. Klären Sie beides mit Ihrer Zollabteilung, bevor Sie Angaben an Kunden oder Lieferanten weitergeben.
Welche japanischen Branchen am stärksten betroffen sind
Die USA gehören zu Japans wichtigsten Exportmärkten. Nach der Handelsstatistik des japanischen Finanzministeriums sanken Japans Exporte in die USA 2025 um 4,1 % auf 20,414 Billionen JPY, während die Gesamtexporte mit 110,448 Billionen JPY einen Rekord erreichten. Auf die USA entfielen rund 20 % des Gesamtvolumens; schon ein Rückgang um wenige Prozent bedeutet daher eine Veränderung von mehreren hundert Milliarden bis etwa einer Billion Yen.
Autos und Autoteile
Autos traf es am stärksten. 2025 sanken die Exporte von Pkw in die USA um 11,4 % und die von Autoteilen um 10,7 % gegenüber dem Vorjahr. Toyota meldete, dass die US-Zölle das Betriebsergebnis im Geschäftsjahr bis März 2026 um 1,38 Billionen JPY gemindert haben.
Die Hersteller fangen die Kosten über höhere US-Preise und Kostensenkungen auf, und ein Teil der Last kann als Preissenkungsforderung bei den Teilelieferanten ankommen. Bauen die Hersteller weniger Fahrzeuge für die USA, sinken die Aufträge ihrer Tier-1-, Tier-2- und Tier-3-Zulieferer in Japan. Auch kleine Unternehmen, die nie in die USA liefern, spüren die Zölle über ihre Kunden.
Stahl, Aluminium, Kupfer und abgeleitete Erzeugnisse
Für Stahl, Aluminium und Kupfer gelten weiterhin hohe Section-232-Zölle. Neben dem direkten Effekt auf die Exporte kann Stahl aus vielen Ländern, der früher in die USA ging, in andere Märkte fließen und dort die Preise beeinflussen, etwa in Asien.
Die Zölle erfassen auch abgeleitete Erzeugnisse (derivative products) aus Stahl oder Aluminium. Unternehmen, die Maschinenteile oder Metallwaren in die USA liefern, müssen klären, ob ihre Produkte als abgeleitete Erzeugnisse gelten und wie der Stahl- und Aluminiumanteil anzugeben ist. Beziehen Sie solche Teile aus Japan, fragt Ihr Lieferant möglicherweise Materialdaten an oder liefert sie mit.
Maschinen, elektronische Bauteile und weitere Produkte
Werkzeugmaschinen, Industriemaschinen und elektronische Bauteile aus Japan fallen seit Juli 2026 hauptsächlich unter den Section-301-Zoll (12,5 % insgesamt). Die US-Nachfrage nach Investitionsgütern bleibt stark, und die Aufträge aus Nordamerika für japanische Werkzeugmaschinen sind stabil geblieben, getragen vor allem von der Luftfahrtindustrie.
Leistungsstarke Produkte, die schwer zu ersetzen sind, verkaufen sich trotz Zöllen tendenziell weiter. Bei Standardprodukten mit hartem Preiswettbewerb schwächt der zusätzliche Zoll dagegen unmittelbar die Wettbewerbsfähigkeit. Innerhalb derselben Branche hängt die Wirkung davon ab, wie einzigartig das Produkt ist und wie viel Preismacht der Lieferant hat.
Die Exporte im Automobilbereich sanken deutlich stärker als die Exporte in die USA insgesamt.
Nach der Handelsstatistik des japanischen Finanzministeriums (Kalenderjahr 2025), zusammengestellt von nippon.com.
Warum sich Lieferketten verschieben: China-Risiko und Wirtschaftssicherheit
Die US-Zölle sind nur ein Teil der Geschichte. Die Spannungen zwischen den USA und China ordnen globale Lieferketten neu, und japanische Hersteller müssen mit beiden Ländern weiter zusammenarbeiten.

Japanische Unternehmen zwischen den USA und China
Die Umfrage von JETRO zum Auslandsgeschäft japanischer Unternehmen (3.369 gültige Antworten, veröffentlicht im Februar 2026) zeigt dieses Spannungsfeld deutlich:
- 27,1 % nannten die USA als wichtigsten Exportmarkt der nächsten drei Jahre, der höchste Anteil seit Beginn vergleichbarer Daten im Geschäftsjahr 2018.
- Von den Unternehmen, die wichtige Materialien oder Komponenten im Ausland beziehen, beziehen etwa 60 % aus China.
- Gut ein Viertel aller Unternehmen überprüft die eigene Lieferkette oder erwägt dies. Bei Unternehmen mit Auslandsstandorten liegt der Anteil bei etwa einem Drittel.
- Am häufigsten genannt wurde als Risikofaktor das Verhältnis zwischen den USA und China. Bei der Auswahl neuer Lieferanten stehen „Stabilität“ und „geografische Nähe“ an erster Stelle.
Chinas verschärfte Exportkontrollen
Das konkreteste China-Risiko sind die Exportkontrollen. Seit 2023 hat China Gallium, Germanium, Graphit, Antimon und weitere Materialien in seine Exportkontrollen aufgenommen. Im April 2025 kamen sieben Seltene Erden hinzu, darunter Samarium und Dysprosium.
Laut JETRO brachen Chinas Exporte von Permanentmagneten aus Seltenen Erden nach Japan im Mai 2025 stark ein. Sie erholten sich, als Ausfuhrgenehmigungen erteilt wurden. Japanische Unternehmen nennen aber weiterhin zwei Probleme: Eine Genehmigung kann drei Monate oder länger dauern, und es ist schwer zu beurteilen, ob ein bestimmter Artikel kontrolliert ist.
Am 6. Januar 2026 kündigte das chinesische Handelsministerium schärfere Kontrollen für die Ausfuhr von Dual-Use-Gütern nach Japan an; Exporte an militärische Endverwender und für militärische Verwendungen werden untersagt. Die Bekanntmachung definiert die erfassten Verwendungen und Endverwender nicht klar, was die Compliance für Unternehmen erschwert.
Die japanische Regierung arbeitet ihrerseits unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftssicherheit daran, die Lieferketten für Halbleiter, kritische Rohstoffe und Batterien im In- und Ausland zu stärken. Wegen der Wechselwirkung von Zöllen, Exportkontrollen und geopolitischen Risiken suchen japanische Unternehmen heute Lieferanten, die ohne Unterbrechung liefern können, und nicht mehr nur den niedrigsten Preis.
Exportkontrollen und geopolitische Risiken wirken in dieselbe Richtung wie die Zölle.
Auch Chinas Exportkontrollen drängen Unternehmen zu denselben Veränderungen.
Wie japanische Hersteller reagieren
Keine einzelne Maßnahme löst das Problem. Japanische Hersteller kombinieren mehrere Ansätze und stimmen die Mischung auf Produkt und Kunde ab.
Fertigung in den USA
Die grundlegendste Antwort ist die Fertigung in den USA, wo für Fertigwaren kein Einfuhrzoll anfällt. Japanische Autohersteller betreiben dort bereits viele Werke, und einige erhöhen die lokale Produktion und den lokalen Teilebezug. Allerdings sind Baukosten und Löhne in den USA hoch, und qualifizierte Fachkräfte sind schwer zu finden. Aus Japan importierte Teile und Materialien werden weiterhin verzollt; die lokale Fertigung muss daher zusammen mit dem lokalen Bezug von Teilen geplant werden.
Kostenweitergabe und Kostensenkung
In der JETRO-Umfrage war „mehr Informationen sammeln“ mit rund 40 % die häufigste Reaktion auf das US-Zollrisiko, dicht gefolgt von „Preise überprüfen und Kosten weitergeben“. Ob ein Lieferant den Zoll auf den Preis aufschlagen kann, hängt von der Einzigartigkeit des Produkts und vom Wettbewerb ab. Wenn nicht, muss er die Kosten über höhere Produktivität und niedrigere Fertigungskosten auffangen; Automatisierung und Kaizen (kontinuierliche Verbesserung) dienen damit auch als Absicherung gegen Zölle.
Mehr Absatzmärkte erschließen
Einige Unternehmen verringern ihre Abhängigkeit vom US-Markt. In derselben Umfrage nannten rund 40 % der Unternehmen, die Alternativmärkte zur Verringerung des US-Risikos angaben, die EU, gefolgt von ASEAN und Japan selbst. Die Idee ist, die USA als Schwerpunkt zu behalten und zugleich den Absatz in Europa und Asien aufzubauen, damit eine Kursänderung eines einzelnen Landes weniger schmerzt.
Das braucht Zeit: Jede Region hat eigene Normen und Zertifizierungen, und es braucht lokalen Vertrieb und Service. Die meisten Unternehmen behandeln es als mittel- bis langfristigen Plan und nicht als Reaktion auf jede Zollmeldung.
Lieferanten diversifizieren und Handels-Compliance stärken
Gegen Chinas Exportkontrollen und das Risiko bei Seltenen Erden besteht die Grundantwort darin, mehr als eine Bezugsquelle zu haben. Lässt sich dasselbe Material aus mehreren Ländern und von mehreren Unternehmen beziehen, läuft die Produktion weiter, wenn eine Quelle ausfällt. Auch größere Lagerbestände und die Entwicklung alternativer Werkstoffe helfen.
Weil sich Zoll- und Exportkontrollregeln oft ändern, brauchen Unternehmen außerdem Personal und Systeme, die die Handels-Compliance sauber abwickeln: Ursprungsbestimmung, HTS-Einreihung und Ausfuhrklassifizierung (in Japan Gaihi-Hantei genannt, die Prüfung, ob ein Gut unter die Exportkontrolle fällt). Das betrifft nicht nur Großunternehmen. Auch kleine und mittlere Teile- und Materialhersteller in Japan werden von ihren Kunden inzwischen häufig um Ursprungszeugnisse und Materialzusammensetzungen gebeten. Schnell belegen zu können, welche Materialien aus welchen Ländern in welches Produkt eingehen, wird zur Voraussetzung dafür, das Geschäft zu behalten.
Unternehmen kombinieren mehrere Maßnahmen und passen sie je nach Produkt und Kunde an.
Was das für die Zusammenarbeit mit japanischen Lieferanten bedeutet
Für Ingenieure und Einkäufer außerhalb Japans zeigen sich diese Veränderungen im Arbeitsalltag und weniger in politischen Papieren. Jede Zollmeldung kann die Annahmen hinter einem Angebot, einem Produktionsplan oder einem Bestandsziel verändern.
- Einkäufer von japanischen Anlagen und Teilen für die USA: Angebote nennen Zollannahmen, Incoterms und HTS-Nummern möglicherweise ausdrücklicher. Fragen Sie, welchen Satz das Angebot unterstellt und was passiert, wenn er sich vor der Lieferung ändert.
- Werke in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit japanischen Kunden: Wenn japanische Unternehmen Fertigung und Bezug auf mehr Länder verteilen, kann Ihr Werk neue Produkte übernehmen oder die USA direkt beliefern. Rechnen Sie mit mehr Anfragen zu Ursprungsdaten, Materialzusammensetzung und Lieferanteninformationen.
- Lieferantenqualität (SQE): Neue und alternative Lieferanten müssen bewertet und freigegeben werden. Japanische Kunden bitten Sie möglicherweise, eine zweite Bezugsquelle schneller als sonst zu qualifizieren.
- Konstruktion und Prozessentwicklung: Bei der Wahl von Werkstoffen und Komponenten gehört nun auch das Bezugsrisiko dazu. Ein Teil, das von einem einzigen Land oder von einem kontrollierten Material wie bestimmten Seltenen Erden abhängt, kann im Design Review auffallen.
Innerhalb japanischer Unternehmen hat sich der Einkauf von einer auf Kostensenkung ausgerichteten Rolle zu einer erweitert, die auch das Risiko von Lieferunterbrechungen steuert. Auch die Arbeit mit Auslandsstandorten wächst: Anlauf von US-Werken unterstützen, Lieferanten im Ausland auditieren und Technologie an Auslandsstandorte übertragen.
Die JETRO-Umfrage ergab, dass fast 90 % der japanischen Unternehmen zu wenig Personal für das Auslandsgeschäft haben oder keines finden. Gefragt sind Menschen, die über Sprachkenntnisse hinaus lokale Geschäftspraktiken und Vorschriften verstehen und die japanische Zentrale mit dem Standort vor Ort verbinden. Grundkenntnisse zu Zöllen, Ursprungsregeln und Exportkontrollen sind in jeder Rolle nützlich.
Checkliste: Fragen an Ihren japanischen Lieferanten zu US-Zöllen
Nutzen Sie diese Liste, wenn Sie ein Angebot, eine Preisanpassung oder eine Anfrage nach Ursprungsdaten erhalten. Halten Sie die Antworten schriftlich fest.
| Thema | Frage | Warum das wichtig ist |
|---|---|---|
| Ursprungsland | Wo wird jeder Artikel hergestellt, und auf welcher Grundlage bestimmen Sie den Ursprung? | Der Zoll richtet sich nach dem Ursprung, nicht nach der Nationalität des Lieferanten. |
| HTS-Nummer | Welche HTS-Nummer verwenden Sie für jeden Artikel? | Die Nummer bestimmt den MFN-Zoll und ob Section 232 gilt. |
| Zollebene | Fällt der Artikel unter Section 301 (12,5 % insgesamt) oder unter Section 232? | Beide werden nicht addiert; die Sätze unterscheiden sich. |
| Metallanteil | Können Sie bei abgeleiteten Erzeugnissen Daten zum Stahl-, Aluminium- und Kupferanteil liefern, z. B. aus der Prüfbescheinigung des Herstellwerks (etwa nach EN 10204 3.1, falls vereinbart)? | Abgeleitete Erzeugnisse brauchen Angaben zum Materialanteil. |
| Importer of Record | Wer ist Importer of Record, und nach welchen Incoterms wird geliefert? | Der Importeur zahlt den Zoll und erhält eine etwaige Erstattung. |
| Zollannahme | Welchen Zollsatz und welches Datum unterstellt dieses Angebot? | Die Regeln können sich zwischen Bestellung und Lieferung ändern. |
| Änderungsklausel | Wie ändert sich der Preis, wenn sich der Zollsatz ändert? | Vermeidet Streit nach einer Regeländerung. |
| IEEPA-Erstattung | Wer hat bei früheren Lieferungen den IEEPA-Zoll gezahlt, und wie wird eine etwaige Erstattung behandelt? | Klärt Erstattungen im Zusammenhang mit früheren Preiserhöhungen. |
| Bezugsrisiko | Stammen Materialien aus nur einem Land oder fallen sie unter Exportkontrollen? | Zeigt Lieferunterbrechungen, bevor sie eintreten. |
E-Mail-Vorlage: Zollannahmen beim japanischen Lieferanten erfragen
Kurze, nummerierte Fragen kann der japanische Vertrieb leichter an die Abteilung für Handels-Compliance oder Logistik weiterleiten. Mit japanischen Lieferanten korrespondiert man in der Regel auf Englisch; die Vorlage ist deshalb englisch. Passen Sie sie an Ihre Situation an:
Subject: Tariff assumptions for Quotation No. [number] Dear [Name], Thank you for your quotation. Before we place the order, could you please confirm the following points for each item? 1. Country of origin and the HTS code you use 2. Whether the item falls under Section 301 or Section 232 3. The tariff rate and effective date assumed in the price 4. The Incoterms and the importer of record 5. Steel, aluminum, or copper content data, if the item is a derivative product 6. How the price will be adjusted if the US tariff rate changes before delivery A short table is fine. If any point needs to be checked with another department, please tell us the expected reply date. Best regards, [Your name]
Grenzen dieses Artikels
- Der Beitrag gibt veröffentlichte Informationen mit Stand September 2026 wieder. Die US-Zollmaßnahmen werden weiter überprüft und angefochten, und die Sätze können sich ändern.
- Die genannten Sätze sind allgemein. Der tatsächliche Zoll hängt von der HTS-Nummer, vom Ursprung und von etwaigen Ausnahmen ab. Bestätigen Sie ihn mit Ihrem Zollagenten, CBP und USTR oder auf japanischer Seite mit JETRO und dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI).
- Die Umfragewerte beziehen sich auf alle antwortenden Unternehmen und nicht auf einen einzelnen Lieferanten. Wie Ihr Lieferant reagiert, hängt von Branche, Größe und Kunden ab.
- Der Beitrag ist keine Rechts- oder Zollberatung. Fragen zu Verträgen und Erstattungen gehören in Ihre Rechts- und Zollabteilung.
FAQ: US-Zölle auf Importe aus Japan
Gelten die reziproken Zölle auf Japan noch?
Nein. Der Supreme Court entschied am 20. Februar 2026, dass das IEEPA keine Zölle erlaubt, und die reziproken Zölle wurden ausgesetzt. Stattdessen unterliegen die meisten Waren aus Japan seit dem 24. Juli 2026 Section-301-Zöllen mit einem Gesamtsatz von 12,5 % einschließlich des MFN-Zolls.
Wie hoch ist der US-Zollsatz auf Importe aus Japan 2026?
Für die meisten Produkte liegt er bei 12,5 % insgesamt (MFN plus Section 301) oder beim MFN-Satz, falls dieser höher ist. Für Section-232-Waren gelten stattdessen eigene Sätze: 15 % einschließlich des bestehenden Zolls für japanische Autos und Autoteile, grundsätzlich 50 % für Erzeugnisse aus Stahl und Aluminium und 25–50 % für Kupfererzeugnisse.
Worin unterscheiden sich Section-232- und Section-301-Zölle?
Section-232-Zölle richten sich aus Gründen der nationalen Sicherheit gegen bestimmte Produkte wie Stahl, Aluminium und Autos. Die Section-301-Zölle von 2026 gelten länderweise und wurden im Zusammenhang mit der Durchsetzung von Einfuhrverboten für Waren aus Zwangsarbeit verhängt. Section-301-Zölle gelten nicht für Waren, die unter Section 232 fallen.
Wer kann die Erstattung von IEEPA-Zöllen beantragen?
In der Regel der Importer of Record, der den Zoll an die CBP gezahlt hat. Die US-Tochter eines japanischen Unternehmens kann den Antrag stellen, wenn sie Importeur war. War ein US-Kunde Importeur, müssen sich beide Seiten möglicherweise darauf einigen, wie sich die Erstattung auf die Preise auswirkt.
Sind auch japanische Unternehmen betroffen, die nicht in die USA exportieren?
Ja. In Branchen mit tiefen Lieferketten wie der Automobilindustrie senkt eine geringere Produktion für die USA die Aufträge der Tier-1-, Tier-2- und Tier-3-Zulieferer in Japan. Kleine und mittlere Teile- und Materialhersteller erhalten außerdem häufiger Kundenanfragen nach Ursprungszeugnissen und Materialzusammensetzungen.
Quellen
- Urteil des Supreme Court: JETRO, „Zum Urteil des US-Supreme-Court zu zusätzlichen Zöllen nach dem IEEPA“ (Mai 2026, Japanisch); Greenberg Traurig, „Supreme Court Invalidates Trump Administration's IEEPA Tariffs“ (Februar 2026)
- Aussetzung der IEEPA-Zölle und Importaufschlag nach Section 122: JETRO Business Short News (Japanisch); National Law Review, „US Supreme Court Invalidates IEEPA Tariffs; Temporary Section 122 Surcharge Now…“
- Section-301-Zölle und Satz für Japan: JETRO Business Short News (Japanisch); KPMG, „United States imposes Section 301 tariffs on 60 economies failing to address forced labor“ (Juli 2026)
- Executive Order zur Umsetzung des Abkommens USA–Japan: JETRO Business Short News (Japanisch); S&P Global, „Trump cuts Japan auto tariffs to 15% while unlocking $550 billion in investments“ (September 2025)
- Section-232-Sätze nach Produkt: JETRO, „Überblick über die US-Section-232-Zölle (Stand 27. Juli 2026)“ (Japanisch); C.H. Robinson, „Updates to Section 232 Tariffs on Steel, Aluminum, Copper“ (Juni 2026)
- Japans Exporte in die USA 2025: nippon.com, nach der Handelsstatistik des Finanzministeriums (Japanisch); Jiji Press via Adnkronos, „Japan Logs Trade Deficit of 2.6 T. Yen in 2025“
- Zollbelastung bei Toyota: Toyota Motor Corporation, Ergebnisse des Geschäftsjahres 2026 (Geschäftsjahr bis März 2026)
- Umfrage unter japanischen Unternehmen: JETRO, „FY2025 Survey on the International Operations of Japanese Firms“ (japanische Pressemitteilung Februar 2026; englischer Bericht März 2026)
- Chinas Dual-Use-Exportkontrollen gegenüber Japan: JETRO Business Short News (Japanisch); Greenberg Traurig, „China Imposes Escalated Export Controls on Dual-Use Items to Japan“ (Februar 2026)
- Chinas Exportkontrollen für Seltene Erden und die Folgen für Japan: JETRO, „Chinas Exportkontrollen für Seltene Erden (1)“ (Japanisch)
Originalartikel auf JapanischDieser Leitfaden beruht auf einem MONOSCOPE-Artikel für Leser in Japan: 米国関税とサプライチェーン再編が日本の製造業に与える影響をわかりやすく解説


