DE
202626.10.

QCDSE-Kennzahlen: Formeln japanischer Werke im Überblick

Instandhaltung & QualitätAktualisiert am 26.10.202627 Min. Lesezeit

Die Berichtsvorlage kommt von der japanischen Muttergesellschaft oder aus dem Lieferantenqualitätsmanagement eines japanischen Kunden. Die Spalten wirken vertraut: First Pass Yield, Kunden-ppm, GAE (OEE), Liefertreue, Häufigkeitsrate, Energieintensität. Dann beginnen die Rückfragen. Zählen nachgearbeitete Teile als Gutteile? Ist die „Häufigkeitsrate“ dasselbe wie Ihre Unfallhäufigkeit (LTIFR) oder die 1000-Mann-Quote? Und warum will die Zentrale jeden Monat den Energieverbrauch je Tonne sehen?

Ein verbreitetes Raster für Werkskennzahlen (KPI) in japanischen Berichten ist QCDSE: Quality (Qualität), Cost (Kosten), Delivery (Liefertreue), Safety (Sicherheit) und Environment (Umwelt). In jedem Bereich stehen eine Ergebniskennzahl (was im Monat passiert ist) und eine vorlaufende Kennzahl (was die Fertigung heute beeinflussen kann) nebeneinander. So passen die Kennzahlen eines ganzen Werks auf eine Seite.

Die Bezeichnungen lassen sich leicht zuordnen. Fehler entstehen bei den Definitionen. Dieser Leitfaden zeigt die QCDSE-Kennzahlen mit Formel und dem japanischen Begriff, der Ihnen im Bericht begegnet, und er benennt die Stellen, an denen japanische Definitionen von den bei Ihnen üblichen abweichen. Danach folgen die Zielsetzung in japanischen Werken, ein Muster für ein Definitionsblatt und Fragen an die japanische Seite. Alle Rechenbeispiele verwenden fiktive Zahlen.

Was ein japanischer Werksleiter (Kojocho) mit diesen Zahlen tut, beschreibt ein eigener Artikel. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die Kennzahlen selbst: wie sie berechnet und definiert werden.

Inhalt
  1. Die QCDSE-Kennzahlen im Überblick
  2. Qualität (Q): Kennzahlen und Formeln
  3. Kosten (C) und Produktivität: Kennzahlen und Formeln
  4. Liefertreue (D) und Bestand: Kennzahlen und Formeln
  5. Sicherheit (S): Häufigkeitsrate und Schwerekennzahl
  6. Umwelt (E): Kennzahlen und Formeln
  7. Wie japanische Werke Kennzahlenziele setzen
  8. Tägliche, wöchentliche und monatliche Kennzahlenrunden
  9. Kurzübersicht: Japanische Kennzahlenbegriffe
  10. Vorlage: Definitionsblatt für Kennzahlen
  11. Grenzen dieses Leitfadens
  12. FAQ
  13. Quellen

Die QCDSE-Kennzahlen im Überblick

Zuerst das Gesamtbild. Die Tabelle ordnet die in japanischen Werken gängigen Kennzahlen den fünf Bereichen zu, links die Ergebniskennzahlen, rechts die vorlaufenden Kennzahlen.

Abbildung 1: Werkskennzahlen nach QCDSE-Bereichen

In jedem Bereich stehen Ergebniskennzahlen neben vorlaufenden Kennzahlen.

Ergebniskennzahlen
Vorlaufende Kennzahlen (täglich in der Fertigung beobachtet)
Q: Qualität
Kundenreklamationen, Kunden-ppm (Fehler, die den Kunden erreichen), Fehlerquote im Prozess
First Pass Yield (Direktläuferquote), Nacharbeitsquote, Prozessfähigkeitsindex, Feststellungen bei Prüfungen
C: Kosten und Produktivität
Herstellkosten, Kostenabweichung, Arbeitsproduktivität
GAE (OEE), Auslastung, Materialausbeute, spezifischer Material- und Energieverbrauch
D: Liefertreue und Bestand
Liefertermintreue, Fertigungsdurchlaufzeit, Lagerumschlag
Planerfüllungsgrad, Bestand in Arbeit (WIP), Anzahl verspäteter Aufträge
S: Sicherheit
Unfälle mit Ausfalltagen, Häufigkeitsrate, Schwerekennzahl
Beinaheunfall-Meldungen, durchgeführte Gefährdungsbeurteilungen, Anteil abgestellter Feststellungen
E: Umwelt
Energieintensität, CO2-Emissionen, Abfallaufkommen
Strom- und Dampfverbrauch je Anlage, Stand der Abfalltrennung

Die Trennung in Ergebnis- und vorlaufende Kennzahlen ist eine Orientierung, keine Regel. Wählen Sie die Kennzahlen passend zu Produkten und Fertigungsverfahren.

Eine KPI ist eine Zahl, die zeigt, wie weit ein wichtiges Ziel erreicht ist. ISO 22400, die internationale Norm für Kennzahlen im Fertigungsmanagement, definiert KPIs auf dieselbe Weise. Teil 2 (ISO 22400-2:2014) führt gebräuchliche Kennzahlen samt Formeln auf; laut einem Whitepaper der Norm-Herausgeber sind es 34. Die Herausgeber verstehen sie als Auswahlangebot, nicht als Satz, den jedes Werk vollständig nutzen müsste. 2017 kamen per Änderung Kennzahlen für das Energiemanagement hinzu, und bei ISO steht die Norm in Überarbeitung.

Wer MES-Kennzahlen aus Deutschland kennt, findet manches wieder: Das VDMA-Einheitsblatt 66412-1 „MES-Kennzahlen“ (2009) wird in der Fachpresse als Grundlage von ISO 22400-2 genannt. Eine 1:1-Übereinstimmung der Definitionen sollten Sie daraus aber nicht ableiten, sondern die jeweils gültige Fassung vergleichen.

Warum japanische Werke Sicherheit und Umwelt zu QCD hinzunehmen

Qualität, Kosten und Liefertreue (QCD) bilden den Kern der Produktionssteuerung. JIS Z 8141, die japanische Norm für Begriffe der Produktionssteuerung, beschreibt diese als Tätigkeit, mit der zu vorgegebener Qualität, zu vorgegebenen Kosten, in vorgegebener Menge und zum vorgegebenen Termin produziert wird. QCDSE ergänzt Sicherheit (S) und Umwelt (E).

Wer nur QCD verfolgt, kann bessere Stückzahlen und niedrigere Kosten ausweisen, während Sicherheitsrisiken und Umweltbelastungen unbemerkt steigen. Alle fünf Bereiche nebeneinander zu führen, ist eine Kontrolle: Keine Zahl darf auf Kosten eines anderen Bereichs erkauft sein.

Sie begegnen auch längeren Varianten. Die Japan Institute of Plant Maintenance (JIPM) gliedert TPM-Ergebnisse in sieben Überschriften, PQCDSME, mit Produktivität (P) und Moral (M) als Ergänzung. An Shopfloor-Tafeln sieht man mitunter SQCDP (Sicherheit, Qualität, Kosten, Liefertreue, Personal). Die Etiketten unterscheiden sich, der Gedanke ist derselbe: das Werk in Bereiche zerlegen, damit nichts durchrutscht. Dieser Leitfaden behandelt die Produktivität im Bereich Kosten.

Ergebniskennzahlen und vorlaufende Kennzahlen

Eine Ergebniskennzahl (im Englischen oft „lagging indicator“) kennen Sie erst nach dem Monatsabschluss. Kundenreklamationen, Herstellkosten und Häufigkeitsrate sind Beispiele. Sie zeigen, wie groß das Problem war, aber wenn Sie sie sehen, ist das Ergebnis des Monats nicht mehr zu ändern.

Eine vorlaufende Kennzahl bewegt sich vor dem Ergebnis und reagiert auf das, was die Mitarbeitenden in der Fertigung tun. First Pass Yield, GAE und die Zahl der Beinaheunfall-Meldungen gehören dazu. Wenn die Werksleitung monatlich die Ergebniskennzahlen prüft und die Fertigung täglich die vorlaufenden Kennzahlen beobachtet, wird der Monatsbericht deutlich kürzer.

Qualität (Q): Kennzahlen und Formeln

Prüfer misst ein gefrästes Teil mit einem Messstift auf einer Granitmessplatte

Japanische Werke erfassen Qualität in zwei Gruppen: Fehler, die im Werk gefunden werden, und Fehler, die den Kunden erreicht haben. Die gängigen Formeln lauten:

  • Fehlerquote im Prozess (koteinai furyo-ritsu, 工程内不良率) = fehlerhafte Teile ÷ geprüfte Teile (oder gefertigte Teile)
  • First Pass Yield bzw. Direktläuferquote (chokko-ritsu, 直行率) = Teile, die ohne Nacharbeit im ersten Durchlauf bestanden haben ÷ gestartete Teile
  • Nacharbeitsquote (tenaoshi-ritsu) = nachgearbeitete Teile ÷ gestartete Teile
  • Kunden-ppm (ryushutsu furyo-ritsu, 流出不良率; wörtlich: Quote der „abgeflossenen“ Fehler) = beim Kunden gefundene fehlerhafte Teile ÷ gelieferte Teile × 1.000.000
  • Materialausbeute (budomari) = erzeugte Produktmenge ÷ eingesetzte Hauptrohstoffmenge

Achten Sie auf das Wort „Ausbeute“. JIS Z 8141 definiert budomari als Verhältnis der tatsächlich erzeugten Produktmenge zur eingesetzten Hauptrohstoffmenge, also als Materialausbeute. Im Englischen steht „yield“ dagegen häufig für Gutteile geteilt durch alle Teile. First Pass Yield und Fehlerquote sind in den JIS-Begriffen der Produktionssteuerung nicht definiert, jedes Unternehmen legt Zähler und Nenner selbst fest.

Das Whitepaper zu ISO 22400 nennt außerdem passende Qualitätskennzahlen: First Pass Yield, Scrap Ratio (Ausschussquote) und Rework Ratio (Nacharbeitsquote).

Abbildung 2: Qualitätskennzahlen bei 1.000 gestarteten Teilen (fiktives Beispiel)

Dieselben 1.000 Teile ergeben unterschiedliche Zahlen, je nachdem, was als „gut“ zählt.

Gestartet: 1.000 TeileIn einem Monat in einem Prozess gestartete Teile (fiktiv)
Nach der Prüfung
Im ersten Durchlauf bestanden: 940Ohne Nacharbeit zum nächsten Prozess
Nach Nacharbeit bestanden: 40Bestanden nach Reparatur oder erneuter Bearbeitung
Verschrottet: 20Nicht nacharbeitbar; als Fehler behandelt
First Pass Yield = 940 ÷ 1.000 = 94,0 % / Nacharbeitsquote = 40 ÷ 1.000 = 4,0 % / Ausschussquote = 20 ÷ 1.000 = 2,0 %
Gutquote einschließlich nachgearbeiteter Teile = (940 + 40) ÷ 1.000 = 98,0 %

Die Zahlen sind fiktiv. Legen Sie schriftlich fest, ob nachgearbeitete Teile als gut zählen.

In Abbildung 2 beträgt die Gutquote 98,0 %, der First Pass Yield aber nur 94,0 %. Die Differenz von 4 Prozentpunkten hat die Nacharbeit gerettet, und die dafür aufgewendete Arbeitszeit steckt in den Kosten. Führen Sie beide Zahlen: Die Gutquote zeigt, ob Sie liefern konnten, der First Pass Yield, ob Sie es gleich richtig gemacht haben. Zusammen lassen sich Ursachen viel leichter zurückverfolgen.

Fehler, die den Kunden erreichen, verfolgen Sie als Anzahl und als Quote. Liefert ein Werk in einem Jahr 500.000 Teile und der Kunde findet 15 fehlerhafte, ergibt sich 15 ÷ 500.000 × 1.000.000 = 30 ppm (fiktives Beispiel). Schwankt die Liefermenge stark, kann die reine Anzahl die Lage besser oder schlechter aussehen lassen, als sie ist.

Um die Streuung von Maßen oder Merkmalen zu erkennen, bevor Fehler auftreten, nutzen Sie den Prozessfähigkeitsindex (Cp, Cpk) als vorlaufende Kennzahl. Er zeigt, wie viel Reserve die Prozessstreuung innerhalb der Toleranz lässt, und hilft besonders dann, wenn die Fehlerquoten schon so niedrig sind, dass man Unterschiede kaum noch sieht.

Kosten (C) und Produktivität: Kennzahlen und Formeln

Verlässliche Kostenzahlen liegen erst nach dem Monatsabschluss vor. Im Tagesgeschäft steuert die Fertigung deshalb die Mengengrößen, die die Kosten treiben. Abbildung 3 stellt Kostenkennzahlen neben Produktivitäts- und Anlagenkennzahlen.

Abbildung 3: Wichtige Kosten- und Produktivitätskennzahlen

Wertgrößen werden monatlich, Mengengrößen täglich oder wöchentlich geprüft.

Herstellkosten
KostenMaterial + Personal + sonstige Kosten. Auf ein Stück umrechnen und mit Budget oder Vorjahr vergleichen
Kostenabweichung
KostenDifferenz zwischen Standardkosten und Istkosten. Nach Material, Personal und sonstigen Kosten aufteilen, um zu sehen, wo sie entstanden ist
Spezifischer Verbrauch
KostenMaterial- oder Energieverbrauch ÷ Ausbringung. Die Menge, die für ein Stück gebraucht wird
Arbeitsproduktivität
ProduktivitätAusbringung ÷ gesamte Arbeitsstunden (mengenbezogen) oder Wertschöpfung ÷ gesamte Arbeitsstunden
Auslastung
Anlage / PersonalEffektive Betriebszeit ÷ verfügbare Zeit (Maschinen) bzw. Arbeitszeit (Personal)
GAE (OEE)
Anlage / PersonalVerfügbarkeit × Leistungsgrad × Qualitätsrate. Fasst Stillstands-, Geschwindigkeits- und Qualitätsverluste zusammen

Wie Kosten gegliedert und umgelegt werden, richtet sich nach den Kostenrechnungsregeln des jeweiligen Unternehmens.

Herstellkosten und Kostenabweichung

Japanische Werke gliedern die Herstellkosten üblicherweise in drei Kostenarten: Material, Personal und sonstige Kosten (keihi, 経費; das ist mehr als „Gemeinkosten“). Das folgt der Gliederung nach Kostenarten in den japanischen Kostenrechnungsgrundsätzen (Genka keisan kijun) von 1962, dem Referenzwerk der Kostenrechnung in Japan.

Die Kostenabweichung (genka sai, 原価差異) ist die Differenz zwischen den vorab festgelegten Standardkosten und den tatsächlichen Kosten. Die Kostenrechnungsgrundsätze definieren sie für ein Standardkostensystem als Differenz zwischen Standardkosten und tatsächlich angefallenen Kosten.

Wichtiger als die Summe ist die Aufteilung. Ist der Materialpreis gestiegen, der Verbrauch oder die Arbeitszeit? Jede Antwort verlangt eine andere Maßnahme, deshalb gilt: Lassen Sie die Abweichung getrennt nach Preis- und Mengenfaktor berichten. Klären Sie vorab das Vorzeichen (ob eine günstige Abweichung plus oder minus ist); uneinheitliche Konventionen sind eine häufige Quelle für missverstandene Berichte.

Arbeitsproduktivität

Produktivität ist Output geteilt durch Input. Das Japan Productivity Center unterscheidet die mengenbezogene Arbeitsproduktivität, die den Output in Stück misst, von der wertschöpfungsbezogenen Arbeitsproduktivität, die ihn in Wertschöpfung misst.

Ein Arbeitsbereich fertigt 12.000 Stück im Monat bei 2.400 Arbeitsstunden insgesamt. Die mengenbezogene Produktivität beträgt 12.000 ÷ 2.400 = 5,0 Stück je Arbeitsstunde. Liegt die Wertschöpfung in diesem Monat bei 36 Mio. JPY, ergibt sich eine wertschöpfungsbezogene Produktivität von 36.000.000 JPY ÷ 2.400 h = 15.000 JPY je Arbeitsstunde (beide Beispiele fiktiv).

Wechselt das Produktmix von Monat zu Monat, lassen sich Werte, die auf Standardzeiten oder Wertschöpfung umgerechnet sind, besser vergleichen als reine Stückzahlen.

Auslastung und GAE (OEE)

JIS Z 8141 definiert die Auslastung (kadoritsu, 稼働率) als Verhältnis der effektiven Betriebszeit zur Arbeitszeit (bei Personal) oder zur verfügbaren Zeit (bei Maschinen). Dieselbe Norm gibt die Gesamtanlageneffektivität (GAE, englisch OEE; setsubi sogo koritsu, 設備総合効率) als Verfügbarkeit × Leistungsgrad × Qualitätsrate an. Die „Auslastung“ ist also nicht die Verfügbarkeit innerhalb der GAE.

Eine Maschine mit 85 % Verfügbarkeit, 90 % Leistungsgrad und 98 % Qualitätsrate erreicht eine GAE von 0,85 × 0,90 × 0,98 = 0,7497, also 75,0 % (fiktives Beispiel). Was die drei Faktoren bedeuten und wie Werksleiter die GAE nutzen, steht im Abschnitt zur OEE im Beitrag zur Werksleitung.

Machen Sie Auslastung oder GAE nie zu alleinigen Zielen. Wer mehr produziert, als sich verkaufen lässt, hebt beide Zahlen an, aber der Überschuss wird nur zu Bestand. Lesen Sie Anlagenkennzahlen immer neben Bestands- und Liefertreue-Kennzahlen.

Liefertreue (D) und Bestand: Kennzahlen und Formeln

Liefertreue-Kennzahlen fallen in zwei Gruppen: ob Sie Ihre Zusagen an den Kunden eingehalten haben und ob Sie die Reserven haben, sie einzuhalten.

  • Liefertermintreue (noki junshu-ritsu, 納期遵守率) = zum zugesagten Termin erfolgte Lieferungen ÷ alle Lieferungen
  • Planerfüllungsgrad (seisan keikaku tassei-ritsu, 生産計画達成率) = planmäßig fertiggestellte Menge ÷ Planmenge
  • Fertigungsdurchlaufzeit (Lead Time) = Zeit von der Bereitstellung des Materials bis zum fertigen Produkt
  • Lagerumschlag (zaiko kaiten-ritsu, 在庫回転率) = Bedarf in einem Zeitraum ÷ durchschnittlicher Bestand
  • Umschlagdauer (Reichweite) = Länge des Zeitraums ÷ Lagerumschlag

Kommen von 400 Lieferungen im Monat 388 wie zugesagt an, beträgt die Liefertermintreue 388 ÷ 400 = 97,0 % (fiktives Beispiel).

Diese Kennzahl ist in den JIS-Begriffen der Produktionssteuerung nicht definiert, und das Ergebnis ändert sich, je nachdem, ob der „zugesagte Termin“ der Wunschtermin des Kunden oder Ihr bestätigter Termin ist. Halten Sie schriftlich fest, ob Sie Aufträge oder Mengen zählen und wie Teillieferungen behandelt werden.

Messen Sie den Planerfüllungsgrad je Artikel. Wird ein Artikel überproduziert und gleicht so die Fehlmenge eines anderen aus, kann die Summe 100 % ergeben, der fehlende Artikel wird trotzdem zu spät geliefert. Berichten Sie die Summe zusammen mit dem Anteil der Artikel, die ihren Plan erreicht haben.

JIS Z 8141 definiert die Lead Time als Zeit von der Bestellung bis zur Lieferung oder von der Bereitstellung des Materials bis zum fertigen Produkt. Wo Sie die Uhr starten und stoppen, bestimmt, was Sie verbessern; einigen Sie sich also zuerst darauf.

Nach JIS Z 8141 gibt der Lagerumschlag an, wie oft sich der Bestand in einem Zeitraum umschlägt, berechnet als Bedarf im Zeitraum ÷ durchschnittlicher Bestand. Bei einem Jahresbedarf von 240 Mio. JPY und einem durchschnittlichen Bestand von 30 Mio. JPY schlägt sich der Bestand achtmal im Jahr um. Dieselbe Norm behandelt den Umschlag als Kehrwert der Umschlagdauer, die Reichweite beträgt hier 12 Monate ÷ 8 = 1,5 Monate (fiktives Beispiel). Getrennt nach Rohmaterial, Bestand in Arbeit und Fertigware sehen Sie, wo sich Bestand staut.

Sicherheit (S): Häufigkeitsrate und Schwerekennzahl

Mitarbeiter mit Schutzhelm auf einem Gehweg neben einer durch einen Schutzzaun gesicherten Presse

Von den fünf Bereichen sind die Definitionen in der Sicherheit am stärksten vereinheitlicht. Das japanische Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MHLW) definiert die Häufigkeitsrate und die Schwerekennzahl samt Berechnung in seiner Erhebung zu Arbeitsunfällen (Rodo saigai doko chosa).

  • Häufigkeitsrate (dosu-ritsu, 度数率) = Tote und Verletzte durch Arbeitsunfälle ÷ geleistete Arbeitsstunden insgesamt × 1.000.000
  • Schwerekennzahl (kyodo-ritsu, 強度率) = Ausfalltage insgesamt ÷ geleistete Arbeitsstunden insgesamt × 1.000
  • Jahresquote je 1.000 Beschäftigte (nensennin-ritsu, 年千人率) = Tote und Verletzte in einem Jahr ÷ durchschnittliche Beschäftigtenzahl im Jahr × 1.000

Die Häufigkeitsrate zeigt, wie oft Unfälle auftreten, bezogen auf 1 Million Arbeitsstunden. Die Schwerekennzahl zeigt, wie schwer sie sind, als Ausfalltage je 1.000 Arbeitsstunden.

Die Ausfalltage folgen festen Werten. Ein Todesfall oder eine dauernde vollständige Erwerbsunfähigkeit zählt 7.500 Tage, eine dauernde Teilerwerbsunfähigkeit je nach Grad 50 bis 5.500 Tage. Bei vorübergehender Verletzung ergeben sich die Ausfalltage aus den Kalendertagen der Arbeitsunfähigkeit × 300/365. Die Jahresquote je 1.000 Beschäftigte lässt sich auch ohne Stundenerfassung berechnen.

Ein fiktives Beispiel: Ein Werk mit 300 Beschäftigten leistet im Jahr 600.000 Arbeitsstunden und hat einen Unfall mit 30 Tagen Arbeitsunfähigkeit. Die Häufigkeitsrate beträgt 1 ÷ 600.000 × 1.000.000 = 1,67. Die Ausfalltage sind 30 × 300 ÷ 365 = 24,66, die Schwerekennzahl damit 24,66 ÷ 600.000 × 1.000 = 0,04.

Abbildung 4: Häufigkeitsrate und Schwerekennzahl in Japan (2025, Betriebe ab 100 Beschäftigten)

Vergleichen Sie mit Betrieben derselben Branche und Größe.

Gruppe
Häufigkeitsrate
Schwerekennzahl
Alle erfassten Branchen
2,01 (2024: 2,10)
0,09
Verarbeitendes Gewerbe
1,33 (2024: 1,30)
0,07 (2024: 0,06)
Verarbeitendes Gewerbe, ab 1.000 Beschäftigte
0,36
0,02
Verarbeitendes Gewerbe, 500–999
0,99
0,07
Verarbeitendes Gewerbe, 300–499
1,40
0,08
Verarbeitendes Gewerbe, 100–299
1,93
0,09

Quelle: MHLW, Erhebung zu Arbeitsunfällen 2025. Erfasst sind Tote und Verletzte mit mindestens einem Tag Arbeitsausfall oder mit Verlust eines Körperteils oder einer Körperfunktion. Verletzungen ohne Ausfalltage sind nicht enthalten.

In der MHLW-Erhebung 2025 lag das verarbeitende Gewerbe bei einer Häufigkeitsrate von 1,33 und einer Schwerekennzahl von 0,07. Innerhalb dieser Branche erreichten Betriebe mit 1.000 oder mehr Beschäftigten eine Häufigkeitsrate von 0,36, Betriebe mit 100–299 Beschäftigten 1,93. Kleinere Betriebe haben tendenziell höhere Raten.

Prüfen Sie vor einem Vergleich zwei Punkte. Erstens den Geltungsbereich: Die Erhebung umfasst Betriebe mit regelmäßig mindestens 100 Beschäftigten und zählt Verletzungen mit mindestens einem Tag Arbeitsausfall. Enthält die Häufigkeitsrate Ihres Werks auch Fälle ohne Ausfalltage, sind die Zahlen nicht vergleichbar. Zweitens die Betriebsgröße: Im Beispiel oben bringt ein einziger Unfall mit Ausfalltagen ein Werk mit 300 Personen auf 1,67, über dem Durchschnitt des verarbeitenden Gewerbes von 1,33 und über den 1,40 für Betriebe mit 300–499 Beschäftigten. In kleinen Betrieben schwankt die Rate durch einen einzigen Unfall stark, lesen Sie sie deshalb zusammen mit der Unfallzahl und den unfallfreien Tagen.

Vergleich mit meldepflichtigen Arbeitsunfällen und der 1000-Mann-Quote

In Deutschland ist ein Arbeitsunfall nach § 193 SGB VII anzeigepflichtig, wenn die versicherte Person getötet wird oder mehr als drei Kalendertage arbeitsunfähig ist; der Unfalltag zählt nicht mit, Wochenenden und Feiertage schon. Die Unfallstatistik der gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) arbeitet mit diesen meldepflichtigen Unfällen, und die 1000-Mann-Quote setzt sie ins Verhältnis zu 1.000 Vollarbeitern. Viele Unternehmen berichten zusätzlich eine LTIFR je 1.000.000 Arbeitsstunden; Basis und Zählweise legt jeweils die Konzernvorgabe fest.

Die japanische Häufigkeitsrate hat dieselbe Stundenbasis von 1.000.000, zählt aber schon Fälle ab einem Tag Arbeitsausfall (oder Verlust eines Körperteils bzw. einer Körperfunktion), nicht erst ab mehr als drei Kalendertagen. Auch die japanische Jahresquote je 1.000 Beschäftigte ist mit der 1000-Mann-Quote nicht gleichzusetzen: andere Mindestausfallzeit, andere Bezugsgröße (durchschnittliche Beschäftigte statt Vollarbeiter). Stellen Sie die Zahlen nie ohne Hinweis in dieselbe Spalte. Klären Sie außerdem mit der japanischen Seite, ob Wegeunfälle mitgezählt werden; in Deutschland sind sie meldepflichtig.

Je besser die Sicherheitsbilanz eines Werks, desto weniger sagt die Unfallzahl aus. Nach Monaten ohne Unfall enthält die Zahl keine Information mehr. Deshalb führen japanische Werke zusätzlich vorlaufende Kennzahlen: durchgeführte Gefährdungsbeurteilungen, den Anteil abgestellter Sicherheitsfeststellungen und die Zahl der hiyari-hatto-Meldungen (Beinaheunfälle) samt Anteil der abgeschlossenen Maßnahmen.

Umwelt (E): Kennzahlen und Formeln

Die zentrale Umweltkennzahl ist die Energieintensität (enerugi shohi gen'tan'i): die Energiemenge, die für ein Stück oder eine Tonne Produkt gebraucht wird. In Deutschland sprechen Sie meist vom spezifischen Energieverbrauch bzw. von energetischen Leistungskennzahlen (EnPI) nach ISO 50001.

  • Energieintensität = Energieeinsatz in Rohöläquivalent ÷ Produktionsmenge (oder eine andere Größe, die eng mit dem Energieeinsatz zusammenhängt)
  • Recyclingquote Abfall = recycelte Menge ÷ Abfallaufkommen (eine gängige Berechnung)

Das japanische Energieeinsparungsgesetz verlangt von Unternehmen, die jährlich 1.500 kl Energie oder mehr (Rohöläquivalent) einsetzen, regelmäßige Berichte über ihren Energieeinsatz. Von diesen Unternehmen wird erwartet, die Energieintensität mittel- bis langfristig im Jahresdurchschnitt um mindestens 1 % zu senken. Das ist ein Bemühensziel und keine Pflicht, aber eines der wenigen gesetzlich hinterlegten Kennzahlenziele. Das ist ein Grund, warum die Energieintensität auf japanischen Kennzahlenlisten steht.

Ein fiktives Beispiel: Im Vorjahr setzte ein Werk 1.200 kl (Rohöläquivalent) ein und fertigte 8.000 t, in diesem Jahr 1.180 kl bei 8.100 t. Die Energieintensität sank von 0,1500 kl/t auf 0,1457 kl/t, das sind 97,1 % des Vorjahres und eine Senkung um 2,9 %.

Die Energieintensität verschlechtert sich tendenziell auch, wenn die Produktion sinkt, denn Klimatisierung, Beleuchtung und Anlagen im Leerlauf verbrauchen unabhängig von der Menge. Das Gesetz erlaubt, statt der Produktionsmenge eine andere, eng mit dem Energieeinsatz verbundene Größe als Nenner zu wählen. Wählen Sie einen Nenner, der zu Ihrem Betrieb passt, und trennen Sie festen Verbrauch von produktionsabhängigem Verbrauch; so lassen sich Veränderungen leichter erklären.

Die japanischen CO2-Meldepflichten fallen unter das dortige Gesetz zur Erfassung, Meldung und Veröffentlichung von Treibhausgasemissionen. Für energiebedingtes CO2 erfasst es Unternehmen, deren gesamter Energieeinsatz über alle Standorte 1.500 kl oder mehr pro Jahr (Rohöläquivalent) beträgt; für die Emissionsmeldung kann der Bericht nach dem Energieeinsparungsgesetz genutzt werden. Je nach Produkt und lokaler Lage kommen Abfall- und Wasserkennzahlen hinzu. Recyclingquoten ändern sich je nach Festlegung, etwa ob energetische Verwertung als Recycling zählt; definieren Sie Zähler und Nenner deshalb schriftlich.

Diese japanischen Gesetze gelten für Unternehmen und Standorte in Japan. Für Ihr Werk in Deutschland sind andere Regeln maßgeblich: Nach dem Energieeffizienzgesetz (EnEfG, seit November 2023) müssen Unternehmen mit einem durchschnittlichen Energieverbrauch von mehr als 7,5 GWh ein Energie- oder Umweltmanagementsystem (DIN EN ISO 50001 oder EMAS) einführen. Für Unternehmen mit geringerem Verbrauch gelten gestaffelte weitere Pflichten. Da eine Novelle im Gespräch ist, prüfen Sie den aktuellen Stand. Die Energiekennzahlen der japanischen Zentrale sollten Sie mit Ihren EnPI abstimmen: gleicher Nenner, gleiche Umrechnung (Rohöläquivalent oder kWh)?

Wie japanische Werke Kennzahlenziele setzen

Stehen die Kennzahlen fest, folgt die Frage nach dem Ziel. Die kurze Antwort: Es gibt keinen einzelnen richtigen Wert, der für jedes Werk passt. Produkte, Anlagen, Fertigungsverfahren und Kennzahlendefinitionen unterscheiden sich. Abbildung 5 zeigt eine praktische Reihenfolge.

Abbildung 5: Sechs Schritte zur Zielsetzung bei Kennzahlen

Klären Sie Zweck, Definitionen und Ist-Stand, bevor Sie eine Zahl festlegen.

01Übergeordnetes Ziel bestätigenAus der Unternehmens- und Werkspolitik eingrenzen, was in dieser Periode erreicht werden muss
02Kennzahl definierenZähler, Nenner, Geltungsbereich und Datenquelle festhalten
03Ist-Stand messenDie vereinbarte Definition auf mehrere Monate anwenden und die Streuung prüfen
04Ziel und Termin festlegenIn Zahlen angeben, welches Niveau bis wann erreicht wird
05Maßnahmen und vorlaufende Kennzahlen wählenDie Mittel zum Ziel und die Kennzahlen, die den Fortschritt messen, bestimmen
06Regelmäßig überprüfenDie Lücke zum Ergebnis prüfen und Maßnahmen oder das Ziel selbst anpassen

Das übergeordnete Ziel herunterbrechen

JIS Q 9023 ist die japanische Norm für Hoshin Kanri (方針管理, Politikmanagement, Policy Deployment), das Zielsystem, das viele japanische Unternehmen verwenden. Sie definiert ein Ziel als den Punkt, der im Bemühen um einen Zweck erreicht werden soll, und eine Maßnahme (hosaku, 方策) als das gewählte Mittel zum Ziel. Eine Größe, die als Maßstab zur Steuerung eines Ziels gewählt wird, ist eine kanri komoku (管理項目, Steuergröße). Eine KPI ist eine Steuergröße: Sie verbindet das übergeordnete Ziel mit dem Handeln in der Fertigung.

Teilen Sie das Werksziel nach Bereichen auf und brechen Sie jeden Teil auf Kennzahlen herunter, die die Fertigung bewegen kann. Abbildung 6 zeigt ein Beispiel für die Herstellkosten.

Abbildung 6: Ein Ziel auf Kennzahlen der Fertigung herunterbrechen (Herstellkosten)

Je weiter unten, desto stärker reagiert die Kennzahl auf das tägliche Handeln in der Fertigung.

WerkszielDie Herstellkosten je Stück bis zum Ende des Geschäftsjahres unter das Vorjahresniveau senken
Nach Kostenarten aufteilen
MaterialVerbrauch und Einstandspreis
PersonalArbeitszeit und Personalstärke
Sonstige KostenEnergie, Instandhaltung, Fremdbezug usw.
In Kennzahlen der Fertigung übersetzen
Materialausbeute / First Pass YieldMaterialverlust und Nacharbeit senken
ArbeitsproduktivitätAusbringung je Arbeitsstunde erhöhen
GAE / spezifischer VerbrauchStillstandsverluste sowie Material- und Energieverbrauch senken
Weisen Sie jeder Kennzahl der Fertigung Verantwortliche, Zielwert, Termin und Maßnahmen zu und führen Sie alles auf einem Blatt zusammen.

Das ist eine von mehreren Möglichkeiten, das Ziel herunterzubrechen. Werke mit hohem Materialkostenanteil und Werke mit hohem Personalkostenanteil gewichten unterschiedliche Zweige.

Zuerst Definitionen und Ist-Stand klären

Dieselbe „Fehlerquote“ ergibt unterschiedliche Zahlen, je nachdem, ob der Nenner geprüfte oder gefertigte Teile sind und ob nachgearbeitete Teile enthalten sind. Bevor über Zielwerte gestritten wird, schreiben Sie für jede Kennzahl eine einseitige Definition: Zähler, Nenner, Geltungsbereich, Datenquelle und wer sie erstellt.

Messen Sie dann den Ist-Stand mit dieser Definition. Ein Ziel, das ohne Kenntnis des Ist-Stands gesetzt wird, ist meist entweder unerreichbar oder zu leicht. Betrachten Sie auch die Streuung von Monat zu Monat, damit ein einzelner guter oder schlechter Monat Sie nicht in die Irre führt.

Termin und Zielwert in Zahlen festhalten

JIS Q 9023 empfiehlt, im Ziel den zu erreichenden Zustand und den Termin zu nennen, und betont, dass objektiv erkennbar sein muss, ob es erreicht wurde. „Fehler reduzieren“ gibt am Jahresende niemandem eine Grundlage für ein Urteil. „First Pass Yield auf Linie A von 94,0 % bis zum Ende des Geschäftsjahres auf 96,0 % erhöhen“ nennt Bereich, Ist-Stand, Ziel und Termin (fiktives Beispiel).

Dieselbe Norm verlangt, Ziele mit übergeordneten Führungskräften und betroffenen Bereichen abzustimmen und bei Bedarf zu überarbeiten (in Japan gehört dazu oft die Vorabstimmung, nemawashi). Bei dieser Abstimmung prüfen Sie auch, ob das Ziel den Zielen anderer Abteilungen widerspricht.

Kennzahlen mit Zielkonflikt als Paar festlegen

Manche Werkskennzahlen ziehen in entgegengesetzte Richtungen. Wer auf Vorrat fertigt, um die Auslastung zu steigern, senkt den Lagerumschlag. Wer den Bestand zu stark drückt, senkt die Liefertermintreue. Strengere Prüfung verringert die Fehler beim Kunden, lässt aber den First Pass Yield schlechter aussehen. Setzen Sie deshalb Ziele für konkurrierende Kennzahlen als Paare: GAE mit Lagerumschlag, Lagerumschlag mit Liefertermintreue, Produktivität mit Häufigkeitsrate. Verbessert sich nur eine Seite eines Paares, prüfen Sie, was bei der anderen geschehen ist. Wie solche Zielkonflikte bei der Werksleitung ankommen, behandelt der Beitrag zur Werksleitung.

Externe Vergleichswerte nur mit bekannten Bedingungen nutzen

Der Vergleich mit anderen Unternehmen oder Branchenwerten liegt nahe. Verwenden Sie nur Zahlen, bei denen Sie wissen, wer sie erhoben hat, für welches Jahr, mit welchem Geltungsbereich und welcher Berechnungsmethode. Die oben genannten Häufigkeits- und Schwerekennzahlen stammen aus MHLW-Statistiken mit veröffentlichtem Geltungsbereich und veröffentlichten Formeln; bei gleichen Bedingungen taugen sie zum Vergleich. Die jährliche Senkung der Energieintensität um 1 % ist ein Bemühensziel nach dem japanischen Energieeinsparungsgesetz.

Fehlerquoten, GAE und Lagerumschlag unterscheiden sich dagegen in Definition und Produkt von Werk zu Werk. Ein „typischer Wert“ ohne Quelle ist eine schwache Zielgrundlage. Belastbarer sind die eigene Historie und andere Linien im eigenen Unternehmen, die nach derselben Definition gemessen werden.

Tägliche, wöchentliche und monatliche Kennzahlenrunden

Werksmitarbeiter besprechen ausgedruckte Diagramme an einem Besprechungstisch

Ein Ziel bewirkt nichts, wenn niemand zu festen Zeiten an einem festen Ort auf die Zahl schaut. Richten Sie die Häufigkeit der Prüfung danach, wie schnell Sie handeln können.

Abbildung 7: Was wann geprüft wird

Täglich geht es um Störungen, wöchentlich um Trends, monatlich um die Lücke zum Ziel.

Wichtigste Kennzahlen
Wo, und was wird entschieden
Täglich
Ausbringung und Planerfüllung, First Pass Yield und Fehleranzahl, Anlagenstillstände, Unfälle und Beinaheunfälle
Frühbesprechung oder Tafel in der Fertigung. Auf die Probleme des Vortags noch am selben Tag reagieren
Wöchentlich
GAE, Aufschlüsselung der Fehler, verspätete Aufträge, Bestand in Arbeit
Wöchentliche Produktionsbesprechung. Trends lesen und Plan, Personaleinsatz und Instandhaltungstermine der nächsten Woche anpassen
Monatlich
Herstellkosten und Kostenabweichung, Liefertermintreue, Lagerumschlag, Häufigkeitsrate, Energieintensität
Monatliches Review. Ursachen für Abweichungen vom Ziel finden, Gegenmaßnahmen vereinbaren, über Investitionen oder Organisation entscheiden

Diese Zuordnung ist ein Beispiel. Richten Sie sie nach Losgrößen und Fertigungszyklus.

Legen Sie für die tägliche Steuerung einen Normalbereich getrennt vom Ziel fest. JIS Q 9023 nennt den Wert oder Bereich, der einen stabilen oder planmäßig laufenden Prozess beschreibt, kanri suijun (管理水準, Normalbereich bzw. Steuerniveau). Legen Sie zusätzlich fest, wer was tut, wenn eine Zahl diesen Bereich verlässt; dann wird die tägliche Runde vom Vorlesen von Zahlen zu einem Ort, an dem Maßnahmen beschlossen werden. Das Monatsreview prüft die Ergebniskennzahlen gegen die Ziele und klärt Ursachen und Gegenmaßnahmen. Wie das in den Tages-, Monats- und Jahreszyklus der Werksleitung passt, beschreibt der Beitrag zur Werksleitung.

Zwei Gewohnheiten halten das System nützlich. Erstens: Kennzahlen ausmisten. Sie sind leicht hinzugefügt und schwer entfernt. Kostet eine Zahl Aufwand in der Erstellung und wird in Besprechungen nur vorgelesen, fragen Sie, ob jemand daraus etwas entscheidet. Halten Sie den werksweiten Satz innerhalb der fünf Bereiche aus Abbildung 1 und überlassen Sie Detailkennzahlen der täglichen Steuerung der jeweiligen Abteilung. Zweitens: Nutzen Sie selbst gemeldete Kennzahlen nicht, um Menschen zu beschuldigen. Fehleranzahlen und Beinaheunfall-Meldungen hängen davon ab, dass Mitarbeitende melden. Werden diejenigen beschuldigt, die schlechte Zahlen melden, sinken die Meldungen, und die Zahlen werden nur besser, weil Probleme nicht mehr sichtbar sind. Nutzen Sie diese Kennzahlen, um Ursachen zu finden, und koppeln Sie sie nur mit Bedacht an individuelle Beurteilungen (in Deutschland gegebenenfalls auch mit Blick auf die Mitbestimmung).

Kurzübersicht: Japanische Kennzahlenbegriffe

Nutzen Sie diese Tabelle, wenn Sie einen japanischen Kennzahlenbericht lesen oder eine Vorlage aus Japan ausfüllen.

Japanisch (Rōmaji)DeutschVor dem Vergleich prüfen
直行率 (chokko-ritsu)First Pass Yield, DirektläuferquoteNenner: gestartete, geprüfte oder gefertigte Teile?
工程内不良率 (koteinai furyo-ritsu)Fehlerquote im ProzessGeprüft oder gefertigt; gelten nachgearbeitete Teile als fehlerhaft?
流出不良率 (ryushutsu furyo-ritsu)Kunden-ppm (abgeflossene Fehler)Welche Kundenfeststellungen zählen; nach Liefermonat oder Feststellungsmonat
budomariMaterialausbeuteNach JIS erzeugte Menge ÷ eingesetzter Rohstoff, nicht Gutteile ÷ alle Teile
原価差異 (genka sai)KostenabweichungVorzeichen; Aufteilung in Preis und Menge
原単位 (gen'tan'i)spezifischer Verbrauch, IntensitätWelcher Nenner (Tonnen, Stück, Wert)
稼働率 (kadoritsu)AuslastungBezug auf verfügbare Zeit oder Kalenderzeit; nicht dasselbe wie die Verfügbarkeit in der GAE
設備総合効率 (setsubi sogo koritsu)GAE (OEE)Wie geplante Stillstände und ideale Taktzeit festgelegt sind
納期遵守率 (noki junshu-ritsu)LiefertermintreueWunschtermin des Kunden oder Ihr bestätigter Termin; Aufträge oder Menge
在庫回転率 (zaiko kaiten-ritsu)LagerumschlagWert oder Menge; welche Bestandsarten
度数率 (dosu-ritsu)Häufigkeitsrate (je 1.000.000 Stunden)Fälle ab 1 Tag Arbeitsausfall (oder Verlust eines Körperteils bzw. einer Körperfunktion); nicht die meldepflichtigen Unfälle nach § 193 SGB VII (mehr als 3 Kalendertage)
強度率 (kyodo-ritsu)Schwerekennzahl (je 1.000 Stunden)Feste Ausfalltage (7.500 bei Todesfall)
年千人率 (nensennin-ritsu)Jahresquote je 1.000 BeschäftigteNicht gleich der 1000-Mann-Quote der DGUV (andere Mindestausfallzeit und Bezugsgröße)
enerugi shohi gen'tan'iEnergieintensität (spezifischer Energieverbrauch)Umrechnung in Rohöläquivalent; Nenner; Abgleich mit EnPI nach ISO 50001
管理項目 / 管理水準 (kanri komoku / kanri suijun)Steuergröße / NormalbereichWer handelt, wenn die Zahl den Bereich verlässt

Vorlage: Definitionsblatt für Kennzahlen

Füllen Sie für jede Kennzahl ein Blatt aus, bevor Sie Ziele setzen oder den ersten Bericht nach Japan schicken. So vermeiden Sie die meisten Diskussionen nach dem Muster „Ihre Zahlen passen nicht zu unseren“.

FeldWas eintragenBeispiel (fiktiv)
Kennzahlenname (Deutsch / Japanisch)Der in beiden Berichten verwendete NameFirst Pass Yield / chokko-ritsu (直行率)
QCDSE-Bereich und ArtBereich; Ergebnis- oder vorlaufende KennzahlQ, vorlaufend
FormelZähler ÷ Nenner mit EinheitenIm ersten Durchlauf bestandene Teile ÷ gestartete Teile
Einschlüsse / AusschlüsseWas zählt und was nichtNachgearbeitete Teile zählen als nicht bestanden; Anfahrausschuss ausgenommen
GeltungsbereichLinien, Produkte, SchichtenLinie A, alle Sachnummern, alle Schichten
DatenquelleSystem oder Aufzeichnung, aus der die Zahl stammtPrüfprotokoll im MES
Verantwortlicher und ErstellerWer verantwortet, wer berechnetProduktionsleiter; Qualitätsingenieur
PrüfhäufigkeitTäglich, wöchentlich oder monatlich, und woTäglich in der Frühbesprechung
Ist-StandMittelwert und Spanne der letzten Monate94,0 % (Spanne 92,8–95,1 %)
Ziel und TerminWert und Datum96,0 % bis Ende des Geschäftsjahres
Normalbereich und ReaktionNormalbereich; wer was tut, wenn er verlassen wirdUnter 93 %: Linienleiter eröffnet noch am selben Tag eine Fehleranalyse
GegenkennzahlDie Kennzahl mit möglichem ZielkonfliktKunden-ppm

Fragen an die japanische Seite

  • Wie lauten für jede Kennzahl der Vorlage genau Zähler und Nenner? Gibt es eine schriftliche Definition, an der wir uns orientieren können?
  • Gelten nachgearbeitete Teile in Ihren Qualitätskennzahlen als Gutteile?
  • Ist bei der Liefertermintreue der zugesagte Termin der Wunschtermin des Kunden oder der bestätigte Termin? Zählen Sie Aufträge oder Mengen?
  • Sollen unsere Sicherheitszahlen die japanische Häufigkeitsrate (je 1.000.000 Stunden, Fälle ab einem Tag Arbeitsausfall), unsere hiesigen Kennzahlen (meldepflichtige Unfälle nach § 193 SGB VII, 1000-Mann-Quote, LTIFR) oder beides verwenden? Werden Wegeunfälle mitgezählt?
  • Welchen Nenner sollen wir für die Energieintensität verwenden, und welche Umrechnungsfaktoren auf Rohöläquivalent gelten?
  • Für welche Kennzahlen setzt die Zentrale die Ziele, und welche darf das Werk selbst setzen?
  • Welche Kennzahlen prüft die Zentrale monatlich, und welche dienen nur dem Werk?
  • Wann beginnt die Zielsetzung für das nächste Geschäftsjahr, und bis wann benötigen Sie unsere Ist-Daten?

Grenzen dieses Leitfadens

Die Kennzahlen und Formeln hier sind verbreitete Muster, keine Norm, der jedes japanische Unternehmen folgt. Außerhalb der Sicherheit, wo das MHLW die Definitionen festlegt, definiert jedes Unternehmen und oft jedes Werk seine KPIs selbst; die Trennung in Ergebnis- und vorlaufende Kennzahlen in Abbildung 1 ist nur eine Orientierung. Die Kostengliederung folgt den Kostenrechnungsregeln des jeweiligen Unternehmens. Das Energieeinsparungsgesetz, das Treibhausgas-Meldesystem und die MHLW-Erhebung gelten für Unternehmen und Standorte in Japan; Werke in anderen Ländern folgen dem dortigen Recht und den dortigen Meldepflichten, auch wenn die Zentrale zusätzlich Zahlen im japanischen Format verlangt. Die deutschen Hinweise zu EnEfG, § 193 SGB VII und VDMA 66412-1 sind bewusst knapp und ersetzen keine Rechtsprüfung. Prüfen Sie die Definitionen immer in der Vorlage Ihres Unternehmens oder Kunden.

FAQ

Wofür steht QCDSE?

QCDSE steht für Quality (Qualität), Cost (Kosten), Delivery (Liefertreue), Safety (Sicherheit) und Environment (Umwelt). Japanische Werke ordnen ihre Kennzahlen diesen fünf Bereichen zu und stellen in jedem Bereich meist eine Ergebniskennzahl und eine vorlaufende Kennzahl nebeneinander, damit der ganze Satz auf eine Seite passt.

Wie berechnet man Häufigkeitsrate und Schwerekennzahl?

In Japan gilt: Häufigkeitsrate = Tote und Verletzte durch Arbeitsunfälle ÷ geleistete Arbeitsstunden insgesamt × 1.000.000 und Schwerekennzahl = Ausfalltage insgesamt ÷ geleistete Arbeitsstunden insgesamt × 1.000. Das MHLW zählt Verletzungen mit mindestens einem Tag Arbeitsausfall; ein Todesfall zählt 7.500 Ausfalltage.

Ist die japanische Häufigkeitsrate dasselbe wie die 1000-Mann-Quote?

Nein. Die Häufigkeitsrate bezieht sich auf 1.000.000 Arbeitsstunden und zählt Fälle ab einem Tag Arbeitsausfall. Die 1000-Mann-Quote setzt die meldepflichtigen Arbeitsunfälle (mehr als drei Kalendertage Arbeitsunfähigkeit, § 193 SGB VII) ins Verhältnis zu 1.000 Vollarbeitern. Weisen Sie die Zahlen getrennt aus oder kennzeichnen Sie klar, welche Sie verwenden.

Was ist Chokko-ritsu?

Chokko-ritsu (直行率) ist der First Pass Yield (die Direktläuferquote): der Anteil der Teile, die im ersten Durchlauf ohne Nacharbeit bestehen. JIS definiert sie nicht, klären Sie deshalb den Nenner und den Umgang mit nachgearbeiteten Teilen mit dem Unternehmen, das die Kennzahl festgelegt hat.

Was ist ein guter Zielwert für GAE oder Fehlerquote?

Es gibt keinen einzelnen Wert, der für jedes Werk passt, dafür unterscheiden sich Definitionen und Produkte zu stark. Setzen Sie Ziele ausgehend vom selbst gemessenen Ist-Stand, mit Termin und genanntem Endpunkt, und verwenden Sie externe Zahlen nur, wenn Quelle, Geltungsbereich und Berechnungsmethode bekannt sind.

Quellen

Hilfreich? Teilen Sie es

Über die Redaktion

MONOSCOPE-RedaktionFOUNDER & EDITOR

Rund zehn Jahre bei einem Anlagenhersteller und einem Anlagenbauunternehmen in Angebot, Konstruktion und Inbetriebnahme von Anlagen tätig, danach Wechsel ins Online-Marketing. Berät heute B2B-Hersteller zu ihren Websites und hilft ihnen, Produkte und Technik verständlich zu erklären. Besitzt die japanischen staatlichen Lizenzen als Energy Manager und als Elektro-Chefingenieur der dritten Klasse.

Betreibt seit 2017 einen Technik-Blog (über 500 Artikel) und einen japanischsprachigen YouTube-Kanal mit rund 20.000 Abonnenten. Jeder Leitfaden entsteht aus der Perspektive der japanischen Werkshalle und wird mit den zitierten Normen abgeglichen.

MoreRelated

Weitere Leitfäden

Alle Leitfäden